Ansturm auf Sommerschule: Ein Drittel mehr Schüler braucht Förderunterricht

Auch in Tirol verzeichnet die Sommerschule des Bundes einen regen Zulauf. Die Bezahlung der Unterrichtenden wird zum Streitpunkt.

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2400 Kinder und Jugendliche versuchen heuer in Tirol ihre Lerndefizite in der Sommerschule auszugleichen. Letztes Jahr waren es noch 1900.
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Innsbruck, Wien – In knapp einer Woche, am 30. August, beginnt auch in Tirol die Sommerschule des Bundes. Dieses Jahr werden in der Primarschule neben Deutsch auch Mathematik und Sachunterricht angeboten. In der Sekundarstufe steht zusätzlich Allgemeinbildung auf dem Programm.

Die Nachfrage nach Förderunterricht in der Sommerschule ist gestiegen. Letztes Jahr drückten in Tirol 1900 Schüler vorzeitig die Schulbank, heuer sind es bereits 2400. Ein Trend, der sich auch österreichweit ausmachen lässt. In Wien, Burgenland und Niederösterreich ist die Sommerschule gestern gestartet. 18.600 Schülerinnen und Schüler sind dafür angemeldet. Im Vergleich zur Premiere 2020 wurde das Angebot ausgebaut: Neben Deutsch wird nun an Volks-, Mittel- und Sonderschulen bzw. AHS-Unterstufen auch Mathe angeboten, in der Volksschule zusätzlich Sachunterricht. Auch an manchen Oberstufen gibt es ein Kursangebot, um Lernrückstände aus dem Corona-Schuljahr aufzuholen.

Bundesweit haben sich diesmal rund 38.800 Kinder und Jugendliche für das Förderangebot angemeldet. Im Vorjahr waren es noch knapp 25.000, 92 Prozent sind damals auch tatsächlich zu den Kursen erschienen. 852 Schulen machen österreichweit mit. Die Teilnahme an der Sommerschule ist wie im Vorjahr auch kostenlos und freiwillig – wer sich einmal angemeldet hat, muss aber eine Entschuldigung bringen, wenn er an einem Tag nicht erscheint. Besucht man die Sommerschule, fließt dies positiv in die Mitarbeitsnote des darauffolgenden Schuljahrs ein.

Unterrichtet wird in Kleingruppen von acht bis 15 Schülern, bei den jüngeren auch standortübergreifend. Bis zur neunten Schulstufe wird der Unterricht von Lehramtsstudenten bzw. Lehrkräften abgehalten. An den Oberstufen gibt es ein Kurssystem mit allen Fächern, die Stunden werden von den Lehrkräften des eigenen Standorts gehalten.

Um das notwendige Personal mussten die Bildungsdirektionen teilweise wieder mit viel Einsatz werben. So auch in Tirol. Die Suche sei sehr aufwändig, aber bewältigbar gewesen, sagt ÖVP-Bildungslandesrätin Beate Palfrader. Gegenüber der TT hatte Palfrader gemeint, man müsse im Herbst feststellen, wo denn die Schüler abzuholen seien. Dass es Lernlücken gibt, ist für Palfrader klar. Neben der Sommerschule des Bundes hat das Land auch zusammen mit der Arbeiterkammer Lernbegleitung und Workshops in der Sommerschule Plus angeboten. Mehr als 2200 Schüler nahmen daran teil. Die Betreuung geht noch diese Woche.

Die Sommerschule des Bundes lobt Palfrader. „Sie ist eine wichtige Einrichtung und ideal, um versäumten Lernstoff von SchülerInnen aufzuholen. Deshalb spreche ich mich auch dafür aus, dass sie institutionalisiert wird.“ Die gesetzliche Grundlage fehle, kritisiert sie. Zum Streitpunkt könnte zudem werden, wer die Unterrichtenden zahlt. Ist das Sache des Bundes oder der Länder, das sei hier die Frage.

In Tirol unterrichten jedenfalls 43 Lehrer, 165 Lehramts-Studierende und außerdem 90 Hilfskräfte, so genannt Buddies. (APA/aheu)


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