Im Altenheim sexuell belästigt: Geldstrafe für Tiroler

Ein Tiroler stand wegen Missbrauchs und Belästigung von vier Frauen in Tiroler Seniorenheimen vor Gericht.

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Der Angeklagte soll mehrmals Seniorenheime aufgesucht und zumindest eine Bewohnerin im Rollstuhl sexuell belästigt haben. (Symbolfoto:)
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Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Er sei nur auf der Toilette gewesen: So begründete ein 61-jähriger Unterländer am Montag bei einem ungewöhnlichen Prozess am Innsbrucker Landesgericht seine Anwesenheit in zwei Haller Seniorenheimen. Die Staatsanwältin war anderer Ansicht: Sie warf dem adrett gekleideten Herrn vor, zwei betagte Bewohnerinnen sexuell missbraucht und zwei weitere sexuell belästigt zu haben. „Das stimmt nicht, ich bin unschuldig“, bestritt der Angeklagte die Vorwürfe.

Eine Aussage, die nur schwer zu widerlegen war, zumal ein vermeintliches Opfer bereits gestorben ist und auch die drei anderen betroffenen Frauen aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht als Zeugen aussagen konnten. So war der Schöffensenat auf die Ermittlungsergebnisse der Polizei und die Beobachtungen einer Angehörigen und von Heimmitarbeiterinnen angewiesen.

Die Tochter einer 80-jährigen Bewohnerin konnte beispielsweise belegen, dass der Angeklagte keineswegs nur die Toilette des Haller Seniorenheims aufsuchte: „Er ist ins Zimmer meiner Mutter gekommen, als ich ihr dort die Haare richtete.“ Da der ungebetene Gast keine schlüssige Erklärung für seinen Besuch liefern konnte, „hab’ ich ihn aus dem Zimmer geworfen“. Auf die Frage, ob die Mutter den Mann kennt, antwortete diese kryptisch: „Mander sein betrogen, die wollen nicht nur oben, sondern auch unten umma.“

Eine Aussage, die die an den Rollstuhl gefesselte 80-Jährige am nächsten Tag wiederholte, als sie erneut Besuch vom Angeklagten erhielt: „Ich hab’ die Frau gerade bettfertig gemacht, als der Mann plötzlich ins Zimmer gekommen ist“, erinnerte sich die Heimmitarbeiterin. Die Zeugin war sich sicher, dass sich der 61-Jährige schon vorher an der Seniorin vergriffen hat. „Ihre Bluse war verrutscht.“ Die Tochter einer weiteren Bewohnerin gab an, den Beschuldigten mit der 80-Jährigen im Kaffeehaus des Heims gesehen zu haben. Eine mittlerweile verstorbene Heimbewohnerin schilderte gegenüber der Polizei, ein Mann habe gerade ihre Brust gedrückt, als sie aufwachte. Zweifelsfrei identifizieren konnte sie den Angeklagten nicht.

Die Bewohnerin eines anderen Haller Heims erzählte ihrer Tochter, ein Mann habe sie im Zimmer massieren wollen. „Meine Mutter lag ganz verschreckt im Bett und ging fortan nur noch angezogen schlafen“, so die Zeugin. Ein weiteres vermeintliches Opfer war nicht vernehmungsfähig.

Letztendlich wurde der Unterländer nur wegen sexueller Belästigung der 80-Jährigen schuldig gesprochen. Er muss jetzt eine Geldstrafe von 480 Euro zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von den übrigen Missbrauchs- bzw. Belästigungsvorwürfen wurde der 61-Jährige im Zweifel freigesprochen, weil er nicht eindeutig als Täter identifiziert werden konnte.


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