„La damnation de Faust“: Das Festspiel-Gretchen schafft alle!

Elina Garanca erschloss in Salzburg der Marguerite in „La damnation de Faust“ ungeahnte Dimensionen.

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Sie strahlt aus vollster Kehle, leuchtet das Salzburger Festspielhaus ganz groß aus: Elina Garanca beeindruckte als Marguerite in Berlioz‘ „Faust“.
© Holger Hage

Von Stefan Musil

Salzburg – Frederica von Stade, Anne Sofie von Otter, Vesselina Kasarova – Elina Garanca hat große Vorgängerinnen, wenn sie in Salzburg als Marguerite in der „Faust“-Vertonung von Berlioz antritt. Doch das Publikum, das vor allem wegen ihr ins fast ausverkaufte Große Festspielhaus strömt, braucht sich nicht zu sorgen: Die Garanca singt sie alle an die Wand! Und Faust und Méphistophélès gleich dazu. Wie am Abend davor Anna Netrebko der „Tosca“-Teppich ausgerollt wurde, ist tags darauf der Spot auf die Mezzo-Kollegin gerichtet. Salzburg pflegt seine Diven. Die eine bekommt eine Wiederaufnahme, die andere ihre konzertante Festspiel-Bühne. Sie nutzt sie blendend, schon vor der Vorstellung, wenn sie im Gala-Dirndl vorm Festspielhaus defiliert. Für den Wechsel in die Gretchen-Robe bleibt ihr Zeit bis nach der Pause.

In unschuldigem Weiß mit blauen Blüten im Dekolleté rauscht sie dann aber als von Faust zu Verführende aufs Podium. „Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer“, schmettert diese Marguerite unerschütterlich kerngesund auf Französisch ins freudig erregte Publikum. Da tut einem der Faust von Charles Castronovo leid, der sich den ganzen Abend wacker durch seine höllisch schwere, aber undankbare Partie arbeiten muss, was zumindest solide gelingt. Der Méphistophélès von Ildar Abdrzakov steht schon mehr im Bass-Saft, so kernig dunkel und herzlich grob schnitzt er seine Partie.

Gegen die Garanca ist auch er chancenlos. Sie strahlt aus vollster Kehle, leuchtet das Festspielhaus ganz groß aus, als gelte es in ihrem Auftritt, der nach zwei Arien, einem Duett, einem Terzett und zwei gehauchten „Hélas!“ (Ach!) auch schon wieder vorbei ist, jede Sekunde dreifach mit Stimmkraft aufzuladen. Fantasie ist gefordert, um sie als das große Opfer des Ganzen samt Himmelfahrt, die der Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor und der gut studierte Wiener Staatsopernchor stimmungsvoll begleiten, zu sehen. Die Feinzeichnung übernimmt daher Dirigent Alain Altinoglu, der mit den Wiener Philharmonikern der Partitur ungemein farbenfroh ziselierte Klangdinge entlockt.


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