Griechische Präsidentin erwartet Flüchtlingszustrom nach Europa

Eine „europäische Angelegenheit" sei laut Sakellaropoulou der Umgang mit der Situation. Die Waldbrände in ihrem Land bezeichnete die Präsidentin als "Naturkatastrophe von bisher noch nie dagewesenen Ausmaßen".

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Die griechische Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou.
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Wien, Alpbach – Die griechische Präsidentin Katerina Sakellaropoulou hält es für "sehr wahrscheinlich", dass die Krise in Afghanistan zu einem Zustrom von Flüchtlingen nach Europa führen wird. "Der Umgang damit ist in erster Linie eine europäische Angelegenheit, die eine kohärente Balance zwischen unserer Solidarität und Verantwortung erfordert", betonte die Präsidentin, die am Dienstag Eröffnungsrednerin beim Forum Alpbach sein wird, in einem schriftlichen Interview mit der APA.

"Eine enge Zusammenarbeit mit allen Staaten in der Region und den Stakeholdern ist notwendig, um eine neue humanitäre und Migrationskrise zu vermeiden, aber auch, um unsere Grenzen zu schützen", so Sakellaropoulou, die seit 2020 im Amt ist und in Alpbach auch zu einem Gespräch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen zusammenkommen wird. Die EU habe klargemacht, dass es Unterstützung für Afghanistans Nachbarn geben werde. "Kein Flüchtling oder Migrant soll instrumentalisiert werden, und die menschliche Würde soll absolut respektiert werden, als Kernstück unserer europäischen Werte und moralischen Prinzipien."

Griechenland beobachte die Lage in Afghanistan genau. "Unsere Priorität ist im Moment die Freigabe und Überstellung aus Afghanistan von europäischen Bürgern und Personen, die mit den griechischen Streitkräften zusammengearbeitet haben, sowie ihren Familien."

Die Waldbrände in ihrem Land bezeichnete die erste Präsidentin in der Geschichte Griechenlands als "Naturkatastrophe von bisher noch nie dagewesenen Ausmaßen", mit mehr als 600 Bränden "in allen Ecken des Landes". Sie seien eine Folge "nicht nur von menschlicher Fahrlässigkeit oder bewussten Brandstiftungen, sondern auch des Klimawandels". Zu den Feuern sei es während einer außergewöhnlichen Hitzewelle gekommen, die mehr als eine Woche lang angedauert habe.

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"Jene Menschen zu entschädigen und zu unterstützen, die ihre Besitztümer verloren haben und von diesen verheerenden Ereignissen betroffen waren, ist unsere Top-Priorität", unterstrich Sakellaropoulou. Die Wiederaufforstung in jenen Gebieten, wo Wälder und Eigenheime nebeneinander bestehen, werde unverzüglich beginnen, "um die Bedingungen für die Bewohner dieser Gebiete zu verbessern".

Im Hinblick auf die nationalen Behörden sei es sehr wichtig, von einer reaktiven zu einer stärker präventiven Politik im Forstmanagement zu kommen - "für die Sicherheit des Ökosystems und die Sicherheit der Menschen, inklusive der Besucher und Touristen". In sehr viel größerem Maßstab gedacht bedürfe es jedoch einer globalen Strategie, um mit dem Klimawandel umzugehen. "Zusammenarbeit auf internationaler Ebene ist der einzige Weg, wie die Menschheit effektiv Umweltfragen angehen und ökologische Desaster abwenden kann."

Gefragt nach der teilweisen Corona-Impfpflicht und deren Akzeptanz in der griechischen Bevölkerung erklärte die frühere Richterin, der Impfstoff sei "ein kostbares Geschenk der Wissenschaft für die Menschheit" und "unsere stärkste Waffe, um Normalität wiederherzustellen und unsere Freiheit zurückzugewinnen". Die Griechen hätten "insgesamt positiv auf die Impfpolitik reagiert und sich an die extremen Bedingungen der Pandemie angepasst".

Eine verpflichtende Impfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen, die ein höheres Risiko hätten, Covid-19 ausgesetzt zu sein, wie etwa das Gesundheitspersonal, und zusätzlich die Förderung von Anreizen für Geimpfte werde die Effektivität der Gesundheitspolitik erhöhen. "Ich muss nicht daran erinnern, dass uns die neue Variante des Virus, die sehr ansteckend ist, keinen Raum für Aufschub lässt. Den Experten zufolge wird der Winter hart, und es ist dringend notwendig, dass wir unser öffentliches Gesundheitssystem und unsere Gesellschaft allgemein immunisieren." (APA)


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