Hin zu mehr Nachhaltigkeit: Tiroler Wirtschaft will sich umbauen

Vier von fünf Tiroler Betrieben halten Nachhaltigkeit mittlerweile für wichtig. Investiert wird massiv. Zu tun gibt es viel. Ganz ohne Verzicht wird es nicht gehen.

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Der Verkehr ist eine der großen Baustellen beim Thema Nachhaltigkeit. Die Verlagerung auf die Schiene soll vorangetrieben werden.
© Böhm

Innsbruck – Vier von fünf Tiroler Unternehmen halten Nachhaltigkeit inzwischen für ein wichtiges oder sehr wichtiges Thema. Das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz sei ganz massiv in der heimischen Wirtschaft angekommen und die Betriebe wollten hier stark investieren, erklärten Wirtschaftskammer-Tirol-Präsident Christoph Walser und Vizepräsident Manfred Pletzer am Dienstag.

Walser betonte, dass man keinerlei Gegensatz zwischen Natur und Wirtschaft erkenne: „Mit gegenseitigen Anschuldigungen kommt man nicht weiter. Was wir nicht brauchen, ist ein erhobener Zeigefinger.“ Nachhaltigkeit als Miteinander von Natur, Lebensraum, Wirtschaft und Jobs sei in der Wirtschaft längst angekommen. In Tirol beschäftigen sich demnach rund 15.000 Mitarbeiter mit Produkten und Dienstleistungen, die mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Im Bereich der ökologischen Wirtschaft würden drei Mrd. Euro Jahresumsatz erwirtschaftet – Tendenz stark steigend.

Konkret wurden die Mitglieder gefragt, für wie wichtig sie es halten, dass die Wirtschaftskammer Tirol das Thema Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren interessenpolitisch verfolgt. 81 Prozent von 742 Befragten antworteten mit „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Die Kammerspitze will daher ihre Anstrengungen verstärken und künftig mehr Stimmung dafür machen, dass beispielsweise neue Wasserkraftwerke rascher gebaut oder der Transit zügiger von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Der Verkehr solle so rasch als möglich auf synthetische Kraftstoffe, Wasserstoff und E-Mobilität umgestellt werden. Außerdem gelte es, die noch immer gut 112.000 Ölheizungen im Land schnellstmöglich umzustellen. Auch im Tourismus gebe es noch viel Potenzial.

Beim benötigten Geld für den Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit sieht die Kammerspitze kein Problem. „Es gibt hier keine Angst. Der Großteil der Unternehmen sieht das Thema als Riesenchance“, sagte Walser. „Die Investitionsbereitschaft ist enorm hoch“, fügte Pletzer an. Was heute in Klima- und Umweltschutz investiert werde, rechne sich in zehn bis 20 Jahren. Pletzer: „Das sind keine Kosten. Kosten hat man, wenn man nicht investiert.“

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Die Wirtschaftskammer will auch selbst klimaneutral werden. Die Interessensvertretung hat sich auch zu den Zielen der UNO für nachhaltige Entwicklung bekannt, den so genannten SDG-Zielen. Weltweit kostet die Umsetzung dieser Ziele mehr als zwei Billionen Euro jährlich. Es geht dabei um einen globalen Plan zur Förderung von Frieden und Wohlstand und zum Schutz der Erde.

Einen Wettbewerbsnachteil durch verschärfte Nachhaltigkeitsziele fürchtet die Kammer übrigens nicht. Walser: „Das kleine Land Tirol wird nicht die Welt retten. Aber es braucht jemanden, der vorneweg geht. Langfristig wird das ein Wettbewerbsvorteil sein.“

Ganz ohne Verzicht werde es allerdings nicht gehen, glaubt Walser. „Das wäre gelogen. Aber Verzicht ist nicht immer etwas Negatives.“ Wenn Tirol etwa im Tourismus auf mehr Qualität statt Quantität setze, dann sei das kein Verzicht, sondern eine Aufwertung, fügte Pletzer an. Den Wohlstand reduzieren werde man hierzulande jedenfalls nicht müssen. (wer)


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