Fall Lucile: Neuverhandlung um Sicherungsverwahrung in Deutschland

Seit Mittwoch verhandelt das Landgericht Freiburg erneut im Mordfall um eine Joggerin. Dabei geht es um die Frage der Sicherungsverwahrung des Täters, der auch für den Mord an der französischen Austauschstudentin Lucile in Kufstein schuldig gesprochen wurde.

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Der Rumäne, der die Tat bestritt, wurde im Fall Lucile auch wegen des Vergehens der Störung der Totenruhe verurteilt.
© PATRICK SEEGER

Freiburg/Kufstein – Im Mordfall um eine Joggerin in Deutschland verhandelt das Landgericht Freiburg seit Mittwoch erneut zur Frage der Sicherungsverwahrung des Täters. Es geht darum, ob der 44-Jährige, der auch im Tiroler Mordfall Lucile des Mordes schuldig gesprochen worden war, nach dem Ende seiner Haft im Gefängnis bleiben muss. Der Deutsche Bundesgerichtshof (BGH) hatte entschieden, dass dieser Punkt beim ersten Urteil 2017 nicht ausreichend begründet worden war.

Der Schuldspruch, die lebenslange Freiheitsstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld blieben davon unberührt, sind also nicht Teil der Verhandlung. Für Donnerstag war ein zweiter Verhandlungstag geplant.

Kein zusätzliches Strafmaß

Der Fernfahrer aus Rumänien hatte im Prozess gestanden, sein 27 Jahre altes Opfer im November 2016 in einem Wald in den Weinbergen des 9000-Einwohner-Ortes Endingen vergewaltigt und erschlagen zu haben. Sieben Monate nach der Tat war er festgenommen worden. Die Ermittler waren dem Vater dreier Kinder über die Auswertung von Lkw-Mautdaten auf die Spur gekommen.

Ein Gerichtssprecher hatte angekündigt, dass bei der nunmehrigen neuen Verhandlung ein Urteil aus Österreich eine Rolle spielen dürfte. Der Mann war im Juni 2020 am Landesgericht Innsbruck auch des Mordes an der französischen Austauschstudentin Lucile K. in Kufstein in Tirol schuldig gesprochen worden. Da gegen ihn in Deutschland die Höchststrafe verhängt worden war, folgte kein zusätzliches Strafmaß.

Die 20-jährige Lucile K., die aus Lyon stammte und im Rahmen eines Auslandssemesters in Kufstein studiert hatte, war im Jahr 2014 getötet worden. Ihre Leiche war am 12. Jänner von Polizisten am Ufer des Inns entdeckt worden. Die Tatwaffe, eine Hubstange, wie sie zum Beispiel zum Anheben eines Lkw-Führerhauses genutzt wird, wurde schließlich im Inn gefunden. Der Rumäne, der die Tat bestritt, wurde auch wegen des Vergehens der Störung der Totenruhe verurteilt. Er soll die junge Französin auch noch missbraucht haben. Der Oberste Gerichtshof (OGH) bestätigte den Schuldspruch schließlich im Oktober 2020.

Die Sicherungsverwahrung verhängen Gerichte anders als die Haft nicht als Strafe, sondern als präventive Maßnahme. Sie soll die Bevölkerung vor Tätern schützen, die ihre eigentliche Strafe für ein besonders schweres Verbrechen verbüßt haben, aber weiter als gefährlich gelten. Die Täter können theoretisch unbegrenzt eingesperrt bleiben. Die Bedingungen müssen deutlich besser sein als im Strafvollzug. Zudem muss es ein größeres Therapieangebot und Betreuung geben. (APA/dpa)


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