Resolution gegen die Lkw-Flut: „Werden uns sonst überall querlegen“

Bürgermeister des Wipp- und Stubaitals legen Resolution für eine gesamthafte Transitlösung vor. Wirtschaft, Politik und Asfinag gefordert.

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Die Asfinag-Hauptmautstelle bei Schönberg gehöre eingehaust. Das ist nur ein Teil der geforderten Lösungen für die Brenner-Transitroute.
© Böhm

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – In der kommenden Woche sollen die Resolution alle in Händen halten: Landtagsabgeordnete, Nationalratsmandatare, Europaparlamentarier, Regierungsmitglieder im Bund und auch die EU-Kommission. Die Bürgermeister der 17 Gemeinden des Wipp- und Stubaitals haben ihre Forderung nach „mehr Lebensqualität in Tirol“, allen voran in ihren transitgeplagten Tälern, unterschrieben. Hinter ihnen stünden 29.000 Bürgerinnen und Bürger. Solche, die vor der Pandemie mit einem Rekord von 2,469 Mio. Lkw-Fahrten über den Brenner zu leben hatten. 2021, mitten in der Pandemie, schaut es nicht wirklich besser aus.

Gefordert wird von der Politik endlich ein Gesamtkonzept von Kufstein bis zum Brenner. Den Auslöser für den jetzigen erneuten Hilferuf stellt der Streit zwischen der Gemeinde Gries und der Asfinag um die Sanierung der Luegbrücke dar. Wie mehrfach berichtet, lehnen Asfinag und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) eine Tunnellösung mit Verweis auf gutachterliche Feststellungen ab und forcieren stattdessen die „Generalerneuerung“ der Brücke. Oder, wie es Gemeinde-Sprecher Robert Renzler nicht müde wird zu betonen: einen Neubau, noch dazu einen, der deutlich breiter werde als die bestehende Brücke. Und so stehe dieses strittige Projekt sinnbildlich für die künftige Zukunft des gesamten Wipptales. „Wer Straßen ausbaut, wird Verkehr ernten. Das ist die Erfahrung aus vier Jahrzehnten Verkehrspolitik im Wipptal“, wie Renzler sagt.

Die VP-Politiker NR Gahr, Planungsverbandsobmann und BM Rastner und LA Riedl, flankiert von Gries-Sprecher Renzler (v. r.).
© Mitterwachauer

Mit besagter Resolution wolle man Wien „ein Signal der Geschlossenheit“ senden, die Kräfte bündeln und gehört werden, beschwörte es VP-Nationalratsabgeordneter Hermann Gahr. Wobei Gahr nicht unerwähnt ließ, wer denn nun diese Botschaft aus dem Wipptal in der Bundeshauptstadt vernehmen solle: keine andere als Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne). Wieso nicht auch die eigene Partei, immerhin der große Koalitionspartner der Grünen? Diese Frage ließ Gahr unbeantwortet.

Partner im Bund vermisst auch der Verkehrssprecher der VP im Landtag, Florian Riedl, in der Verkehrsfrage: so auch Asfinag, ÖBB und das Verkehrsministerium. Der Tiroler Landtag habe in den vergangenen Jahren stets mit einer Stimme gesprochen. EU-rechtlich habe man das Mögliche ausgeschöpft. Entgegen den Unkenrufen etwa von Transitforum-Obmann Fritz Gurgiser, wie Riedl anmerkt. Auch der Wipptaler Planungsverbandsobmann Alfons Rastner gab zu bedenken, dass Gurgiser „nicht immer lösungsorientiert“ argumentiere. Deshalb sei er auch gestern nicht eingeladen gewesen. Dennoch hoffe man künftig auf eine Kooperation mit dem Transitforum.

Ein Gesamtpaket, das nun unter anderem die Asfinag, ÖBB und Ministerium in den kommenden Monaten vorzulegen hätten, müsse Maßnahmen im Bereich Lärm, Luft, Klima, Digitalisierung der Brennerautobahn-Maut, eine Einhausung der Mautstelle bei Schönberg und mehr umfassen, wie auch Rastners Stubaier Planungsverbandskollege Hermann Steixner ausführte. Und natürlich den Lueg-Tunnel.

Umdenken müssten angesichts der Verkehrsproblematik viele. So auch die Wirtschaft, mahnte Rastner: „Solche Zustände auf der A13 sind nicht mehr hinnehmbar.“ Rastner rät den Verantwortlichen in Wien, die Resolution ernst zu nehmen: „Ansonsten werden wir uns überall querlegen.“ Einen Plan B habe man. Nennen will ihn Rastner nicht. Das Wort Blockade steht im Raum.


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