Der IS und die Taliban: Was die verfeindeten Islamisten trennt

Bei einer Explosion am Kabuler Flughafen gibt es Dutzende Tote und Verletzte. Hinter dem Attentat steckt der regionale IS-Ableger Provinz Khorasan. Das Verhältnis der Jihadistenmiliz zu den Taliban ist mehr als angespannt. Worin liegt dies begründet?

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Attentäter mit Sprengstoffgürtel: Der IS hat sich zum Anschlag mit Dutzenden Toten am Kabuler Flughafen bekannt.
© Twitter

Kabul – Beide Organisationen sind militant, sunnitisch und für ihre Grausamkeit bekannt – trotzdem verurteilten die Taliban den Anschlag des Islamischen Staats (IS) am Flughafen in Kabul umgehend. Der Angriff vom Donnerstag mit Dutzenden Toten und Verletzten waren eine Blamage für Afghanistans neue Machthaber, die offenbar nicht für Sicherheit in der Hauptstadt sorgen können. Aber die Feindschaft der beiden islamistischen Gruppierungen besteht schon viel länger.

Was trennt die Taliban und den IS trotz ihres gemeinsamen Hasses auf westliche Werte?

Zwischen beiden Organisationen gebe es gravierende ideologische Unterschiede, betont Rami Ali von der Humboldt-Universität Berlin. Der IS sei dem Salafismus zuzurechnen, die Taliban hätten dagegen einen ganz anderen theologischen und politischen Hintergrund, sagte der Islam- und Politikwissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur. So seien die Taliban etwa ausschließlich auf Afghanistan fokussiert. Ganz anders der IS. „Für diesen ist Nationalismus eine Art Abfall vom Glauben", so Ali. Die Terrormiliz strebe schließlich die Gründung eines grenzüberschreitenden Kalifats an. Der IS lehnt demnach die Taliban und deren auch von der paschtunischen Volksgruppe geprägten Traditionen als unislamisch ab.

Beide Organisationen konkurrierten in Afghanistan zudem um Macht, Einfluss und religiöse Deutungshoheit, sagte Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter im ZDF-„Morgenmagazin". Im Vergleich zu den Taliban sei der IS „durch eine viel größere Gewalttätigkeit" gekennzeichnet, so die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam. Ziel des IS sei die islamische Weltherrschaft.

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Beim Sprengstoffanschlag waren am Flughafen in Kabul Dutzende Menschen getötet und verletzt worden – darunter auch 13 amerikanische Soldaten. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich. Seit der Machtübernahme der Taliban vor mehr als einer Woche versuchen Tausende Menschen mit Evakuierungsflügen ins Ausland zu fliehen. Am Flughafen herrschen seitdem chaotische Zustände.

Der IS war in Afghanistan Anfang 2015 aufgetaucht. Er will dort und auf pakistanischem Gebiet eine „Provinz" namens IS-Khorasan etablieren und verübt vor allem auf schiitische Ziele Anschläge. Einige Beobachter gehen davon aus, dass auch etliche Taliban-Kämpfer, die die Friedensgespräche ihrer Führung mit den USA ablehnten, zu der noch extremeren Gruppe übergelaufen sind.

In einem der Hadtihe (Überlieferungen) über den Propheten Mohammed heißt es übrigens, dieser habe gesagt: „Schwarze Banner werden von Khorasan kommen. Keine Macht wird sie aufhalten können bis sie schließlich Jerusalem (Bait al-Maqdis) erreichen, wo sie ihre Banner errichten werden." (APA/dpa)


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