Zwölf Orte kreativer Transformation an der Innsbrucker Südtiroler Siedlung

Das Thema „Option“ an zehn Durchgangsorten der Innsbrucker Südtiroler Siedlung kunstvoll weitergedacht.

  • Artikel
  • Diskussion
Die Kunst-am-Bau-Beiträge zum Thema „Option“ in der Innsbrucker Südtiroler Siedlung von Claudia Fritz, Georg Herold und Thomas Bayrle (v.l.).
© Fritz (1), Schlocker (3)

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Nach dem Beschluss des „Berliner Abkommens“ von 1939 wurde mit der Umsiedlung jener Südtiroler, die sich zum Verlassen ihrer Heimat entschlossen hatten, begonnen. Viele dieser „Optanten“ landeten in Nordtirol. Um sie unterzubringen, entstanden ganze Orts- bzw. Stadtteile. Errichtet in einer charakteristischen, rund um großzügige Höfe angelegten Bauweise mit niedriger Dichte und hoher Wohnqualität.

Inzwischen sind die sogenannten Südtiroler Siedlungen in die Jahre gekommen. Ein Teil der im Innsbrucker Stadtteil Pradl gelegenen wurde saniert, andere auf Basis eines von der Neuen Heimat ausgeschriebenen – von Architekt Hans Obermoser gewonnenen – städtebaulichen Wettbewerbs neu gebaut. Als Ausdruck der historischen Bedeutung des Orts wird dessen Transformationsprozess durch einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb zum Thema „Option“ flankiert. Spielorte der Interventionen sind zwölf Passagen und Durchgangsbögen.

Zehn der von einer Jury ausgewählten Kunstprojekte sind inzwischen realisiert, u.a. auch das von Claudia Fritz im Durchgang der neu gebauten Wohnanlage Am Rain 1. „schwarz–weiß“ nennt die Tiroler Künstlerin ihre auf 180 Quadratmetern ausgebreitete Wandarbeit, die durch die Schmalheit bzw. Höhe und Länge des Durchgangs nicht zufällig an eine Schlucht erinnert.

Die Fritz mit zerknüllten bzw. zerrissenen Textfragmenten originaler Flugblätter für bzw. gegen die Option tapezieret ist. Durchkreuzt von schwarzen Linien als Metaphern für das Zerreißen von Familien durch die Entscheidung zum Gehen oder Bleiben. Um ein Nachdenken über Fragen wie Heimat, Identität und Propaganda, die aktueller denn je erscheinen, anzuzetteln. Noch dazu an einem Ort, an dem auch heute wieder viele Menschen leben, die mehr oder weniger freiwillig ihre Heimaten verlassen mussten.

"Ice Road": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Komplett anders kommt das Thema „Option“ bei den anderen bereits realisierten Arbeiten daher. Thomas Bayrle hat etwa den aus Autobahn-Modulen gepuzzeten Schriftzug „Neue Heimat“ auf die Decke eines Durchgangs geschrieben, vis-a-vis von Georg Herolds vieldeutigen „Erinnerungen an die Zukunft“. Auf die existenziellen Begriffe „raum“ und „zeit“ ist die Arbeit Heinz Gappmayrs konzentriert, Peter Kogler erweist sich wieder einmal als furioser Auflöser von Wänden, Eva Schlegel als deren Fortsetzerin ins scheinbar Unendliche. Nikolaus Schletterer akzentuiert eine Passage durch ein bündig in den Boden im Windel von 8,5 Grad eingelegtes Band aus Edelstahl, Anton Christian durchzieht eine andere mit einer amorphen Bruchlinie und Heimo Zobernig lässt ein Licht an- bzw. ausgehen, sobald eine Person „seine“ Passage betritt oder verlässt. Richard Hoeck und John Miller haben die „ihre“ dagegen mit großformatigen Fotos bestückt, auf denen Schaufensterpuppen offensichtlich sehnsüchtig Richtung Süden bzw. Norden schauen.

Die Projekte von Walter Niedermayr und Karl Unterfrauner werden im Zug der nächsten Baustufe realisiert.


Kommentieren


Schlagworte