Ein Käfig mit Aussicht, aber ohne Ausgang

Christoph Raitmayr bebaut das Innsbrucker artdepot mit seinen sehr speziellen Architekturen.

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Das Innsbrucker artdepot widmet Christopn Raitmayr bei der Kunstmesse Parallel Vienna (1. bis 5. September) eine Einzelausstellung.
© Schlocker

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Häuser sind das Lieblingsthema des Tiroler Bildhauers Christoph Raitmayr. Warum das so ist, kann sich der 44-jährige Gironcoli-Schüler selbst nicht erklären. Hausiges inspiriere ihn allerdings zu immer neuen Formfindungen, die mit dem existenziellen Sinn von Behaust- oder Nicht-Behaustsein nichts zu tun hätten, meint der Künstler jedenfalls. Um letztlich doch sehr viel über ihren Erschaffer zu verraten. Indem sich Raitmayr hier fein säuberlich aus leichten Kartonen eine Parallelwelt baut, in die er sich mental zurückziehen kann. Um aus den zahllosen Fenstern hinauszulugen, während ein Hineinschauen unmöglich ist. Die Basis dieser Objekte ist oft labil, skurril gekippt, ohne umzufallen, scheinen die Prinzipien des Statischen hier doch ganz offensichtlich alternativen Gesetzmäßigkeiten zu unterliegen.

Dass Raitmayr systematische Ordnungen mag, ist an den Objekten, die er im artdepot wie kleine Inseln positioniert, unübersehbar. Wenn er raffiniert mit Teilungen und Seriellem spielt, etwa in einem Objekt, das bei raschem Hinschauen wie ein Zauberwürfel daherkommt, in Wirklichkeit aber aus unzähligen kleinen Modulen zu einem utopisch anmutenden Architekturalbtraum gepuzzelt ist.

Aber auch ins Surreale kippender Witz spielt bei Raitmayr eine wichtige Rolle. Etwa bei einem kleinen Haus, dessen Kamin sich weit ausladend mäandernd verselbstständigt, während ein anderes zur „Prothese“ für das zu kurze Bein eines Stuhles wird. Oder ein Stiegenhaus zum Käfig, zwar mit Balkon ins Nichts, aber ohne Ausgang. Der Turm einer Kirche ist geknickt, ob, um dadurch zum Wegweiser zu werden, ist die Frage. In anderen Arbeiten wiederum wird Architektonisches zur reinen Struktur, zum Spiel mit Flächigem und Linearem.

Inspirationsquelle von Raitmayrs Tun ist das Internet, die Zeichnung sein basales Kunst-Handwerk. Wie fein er das beherrscht, führt seine Personale im artdepot ebenfalls vor. Das surreale Element ist hier noch offensichtlicher, die Leichtigkeit, sich fast spielerisch seine eigene Welt zu erzeichnen.

Ausstellung

Artdepot. Riesengasse 8, Innsbruck; bis 9. Oktober, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr


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