Leyyas „Longest Day of My Life“: Längster Tag, kürzester Abschied

Ungewöhnlich krawallig singt Leyya gegen das oftmals dunkle Innere an. Mit der EP „Longest Day of My Life“ verabschiedet sich das Duo von der Bühne.

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Seit 2014 sind Lindinger und Kleebauer als „Leyya“ unterwegs. Ab sofort nur noch im Studio.
© Gabriel Hyden

Innsbruck – Die letzten Konzerte sind gespielt. Wenigstens in Linz und Wien verabschiedete sich Leyya noch einmal persönlich von der Bühne – auf Nimmerwiedersehen. Denn das oberösterreichische Erfolgsduo wird es künftig on stage nicht mehr geben. Wirklich Geschichte ist das Projekt deshalb aber auch nicht, gaben Sophie Lindinger und Marco Kleebauer Ende Juni offiziell bekannt. Man wolle sich auf „das Schaffen im Studio konzentrieren“, heißt es in ihrem Abschiedsstatement kurz und knapp. Was das genau heißt, dazu gibt es bisher keine genauen Angaben.

Besonders Kleebauer hatte abseits der Bühne als Produzent zuletzt ja alle Hände voll zu tun, bei Bilderbuch, Oehl oder seinem eigenen Projekt Sharktank hatte er die Finger an den Reglern. Wirklich untätig war auch Lindinger nicht. Das Debütalbum ihrer Supergroup My Ugly Clementine wurde 2020 als Europäisches Indie-Album des Jahres ausgezeichnet. Heute würde man sagen: Läuft bei ihnen.

Nur bei Leyya selbst ist länger nichts mehr gelaufen. Seit dem Debütalbum „Sauna“ (2018) war es zunehmend ruhiger geworden. Passend zu ihrem Abschied in Richtung Studio bringen sie jetzt die EP „Longest Day of My Life“ heraus und auch noch schnell auf die Bühne. Längster Tag mit kürzestem Abschied.

Dabei hätte die EP anfänglich eigentlich eine LP werden sollen. Diese Idee fühlte sich aber bald nicht mehr richtig an, was da war, wurde also erneut verknappt, bis am Ende ein stringentes Ganzes da war. Sechs ganz neue Songs, die zusätzlich noch in eine neue Richtung zeigen.

Mit den distanziert-coolen Gute-Laune-Nummern von damals hat das nichts mehr zu tun. Lindingers Stimme ist dichter, näher, eindringlicher, und der Sound folgt ihr aufs Kommando. Stellvertretend dafür steht der Track „Ordinary“.

Die Frontfrau macht kein Hehl daraus, woher sie Inspiration schöpft: Es ist dieses Mal das eigene Innere, das so unbeschwert gar nicht ist. „Ordinary“ sei „die schmerzhafte Erinnerung an die Zeit, in der mir bewusst wurde, dass es mir nicht gut geht“, so Lindinger. Inhaltsschwer fragt sich die EP schon gleich zu Beginn: „Am I Even Real?“

Wirkliche Antworten liefert das Album kaum. „I’m Not Sure“ ist Song gewordene Unsicherheit, gegen die ein bewusst krawalliger Beat antritt. Auch beim nervösen „Lately“ und dem zentralen „Paper“ krachen die Synthies nur so dahin. Die Depression kommt mit musikalischer Wucht, die süchtig macht. Was dem folgt, darauf darf man gespannt sein. (bunt)

Electropop

Leyya: Longest Day of My Life. Ink Music.


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