Spenderlunge als Betrugsmasche: 2,5 Jahre Haft für 29-Jährige

Ausschließlich Männer wurden Opfer einer notorischen Betrügerin. Die 29-Jährige wurde am Montag zu 2,5 Jahren Haft verurteilt.

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Als Untersuchungshäftling verließ die 29-Jährige die Justizanstalt, als Strafhäftling kehrte sie nach der Verurteilung am Gericht zurück.
© Böhm

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Angeklagte gab sich zerknirscht, sogar Tränen flossen: „Ich bin komplett schuldig“, sagte die 29-Jährige, die sich am Montag als notorische Betrügerin und zweifache Tresoreinbrecherin am Innsbrucker Landesgericht verantworten musste.

Um 116.444,86 Euro hatte die Kellnerin ihre Opfer zwischen Oktober 2020 und März 2021 erleichtert. Übrigens ausschließlich männliche Opfer, „mit denen sie mehr oder weniger intensive Beziehungen gepflegt hat“, so der Vorwurf des Staatsanwaltes. Um ihre Verehrer auszunehmen, zog die laut ihrem Anwalt schwer spielsüchtige Angeklagte alle Register. „In Liebe, Deine B.“, hieß es beispielsweise noch in den Briefen, die die Kellnerin bereits aus der U-Haft-Zelle „ihren“ Männern schrieb.

„Ich hab sie schon alle gern gehabt“, erklärte sie Richterin Helga Moser. Die Angeklagte beherrschte aber offenbar nicht nur das Geschäft mit der Liebe: „Haben Sie gesagt, Sie brauchen Geld, weil Sie im Krankenhaus liegen und auf eine Spenderlunge warten?“, ließ die Richterin nicht locker. „Ja, das hab ich“, so die kleinlaute Antwort. „Haben Sie je ein Haus besessen bzw. verkauft?“, hakte Moser nach. „Nein, nie.“

Der Angeklagten gelang es offenbar auch, das Herz eines Oberländer Hotelierssohns zu gewinnen: Sie zog ins Doppelhaus ein, das ihr Ex-Partner zusammen mit seinem Bruder bewohnt. Und räumte die Tresore der Männer aus, in denen sich vor allem auch das Geld der Eltern – insgesamt weit über 40.000 Euro – befand. Ihre Aussage, dass ein Bruder sie dazu angestiftet hätte, sei falsch, gab die 29-Jährige jetzt auf der Anklagebank zu.

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Das Urteil: zweieinhalb Jahre Haft und Rückzahlung der erschwindelten und gestohlenen Gelder (rechtskräftig). Allerdings muss die Betrügerin ein weiteres halbes Jahr in die Zelle. Ein Strafe, die bei einem Betrugsprozess vor über einem Jahr vom Landesgericht Graz bedingt verhängt und jetzt widerrufen wurde. Zumal die Angeklagte sich von der ersten Verurteilung nicht beeindrucken ließ, sondern ihre Betrügereien nahtlos fortsetzte. „Sie ziehen seit 2018 jeden über den Tisch, den Sie über den Tisch ziehen können“, las die Richterin der 29-Jährigen bei der Urteilsbegründung noch einmal die Leviten.


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