Kaum Sonne: Sommer in Tirol war nass, schöne Tage stehen bevor

Der Sommer 2021 in Österreich reiht sich in die zehn wärmsten der Messgeschichte ein. Im Osten und Süden war es jedoch deutlich heißer, sonniger und trockener als in Tirol. Der meteorologische Herbst beginnt dafür spätsommerlich schön.

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Wenig Sonne, viel Regen: Besonders der August fiel heuer buchstäblich ins Wasser.
© Helmut Leisz

Innsbruck – Wie sich letzte Woche bereits abgezeichnet hat, geht der meteorologische Sommer 2021 in Österreich als einer der wärmsten der 255-jährigen Messgeschichte zu Ende. „Der heurige Sommer liegt in der vorläufigen Auswertung auf dem achten Platz, gleichauf mit 1994 und 2012", so Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Dass sich das in Tirol nicht so angefühlt hat, liegt wohl unter anderem daran, dass die letzten Monate hier auch deutlich nasser als gewohnt waren – die Sonnenstunden dagegen eher rar.

Sommermonate werden immer wärmer

Während im Süden und Osten Österreichs die Anzahl der Hitzetage heuer über dem Mittel der letzten 30 Jahre liegt, bleibt sie im Westen und Norden knapp darunter. So wurden an der Uni Innsbruck 19 Tage mit mindestens 30 Grad gezählt, der Mittelwert liegt bei 20,8. Dass die Sommermonate aber insgesamt immer wärmer werden, zeigt der Vergleich mit der Klimaperiode 1961 – 1990: Damals waren es durchschnittlich 8,6 Hitzetage in der Tiroler Landeshauptstadt.

Auch die zehn wärmsten Sommer seit dem Messbeginn im Jahr 1767 sind fast durchwegs noch nicht lange her, berichtet die ZAMG: Auf Platz 1 gleichauf 2003 und 2019, auf Platz 3 2015, auf Platz 4 2017, auf Platz 5 2018, auf Platz 6 1992, auf Platz 7 1811 und auf Platz 8 gleichauf 1994, 2012 und 2021.

Nassester Sommer seit fünf Jahren in Westösterreich

Ein ähnliches Ost-West-Gefälle zeigt sich bei der Niederschlagsbilanz der Meteorologen: Insgesamt brachte der Sommer 2021 fünf Prozent mehr Niederschlag als im Mittel der letzten 30 Jahre. Der Westen trieb diesen Wert in die Höhe, hier war es etwa 15 bis 20 Prozent nasser als üblich – und damit der niederschlagsreichste Sommer seit 2016. In südlichen Regionen Österreichs war es hingegen um etwa 15 bis 40 Prozent zu trocken.

Mit den großen Regenmengen gingen auch heftige Unwetter samt Hagel einher: In Niederösterreich etwa fielen bis zu elf Zentimeter große Körner vom Himmel.

💡 Gut zu wissen: Was unterscheidet den meteorologischen und den kalendarischen Herbstbeginn?

Meteorologisch beginnt der Herbst – wie jedes Jahr – bereits am 1. September. Um das Jahr etwas vereinfacht in vier feste Jahreszeiten zu teilen und so Vergleichszeiträume zu schaffen, beginnen Frühling, Sommer, Herbst und Winter in der Meteorologie immer jeweils am Monatsersten von März, Juni, September und Dezember.

Die kalendarischen – oder auch astronomischen – Jahreszeiten hingegen richten sich nach dem Stand der Erde zur Sonne und fallen darum jedes Jahr etwas anders aus. Zur diesjährgen Herbst-Tagundnachtgleiche am 22. September um 21.21 Uhr steht die Sonne genau senkrecht über dem Äquator und wandert von Norden nach Süden.

Damit werden die Tage in unseren Breitengraden kürzer, die Temperaturen fallen und es beginnt auf der Nordhalbkugel der Herbst. Südlich des Äquators beginnt der Herbst zur Tagungnachgleiche im März, wenn die Sonne den Äquator von Süden nach Norden überquert. Dieser Tag bedeutet für uns länger werdende Tage und den Frühlingsanfang.

Juni am sonnigsten, August weit unter Durchschnitt

Mit Abstand am wenigsten Regen fiel in ganz Österreich im Juni – der auch der absolut sonnigste Monat des Sommers war. Der regenreiche August brachte es hingegen nur auf 160 Sonnenstunden, was einem Defizit von 22 Prozent zum langjährigen Mittel entspricht.

Insgesamt steigt die Sonne dieses Jahr mit einem leichten Plus aus, auch diesbezüglich war Tirol heuer aber im Nachteil: Hier gab es um fünf Prozent weniger Sonnenschein als in den letzten 30 Jahren. In Umhausen waren es sogar -15 Prozent.

© ZAMG

🌡️ Sommer 2021 in Tirol

Niederschlagsabweichung: +9%

Temperaturabweichung: +0.4 °C

Abweichung der Sonnenscheindauer: -5%

Temperaturhöchstwert: Innsbruck-Uni. (578 m) 34.5 °C am 18.6.

Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Brunnenkogel (3437 m) -7.6 °C am 29.8.

Temperaturtiefstwert unter 1000 m: Achenkirch (931 m) 1.0 °C am 1.6.

Höchstes Saisonmittel der Lufttemperatur: Innsbruck-Uni. (578 m) 19.3 °C, Abw. +0.4 °C

Höchste Sonnenscheindauer: Lienz (661 m) 695 h, Abw. -1 %

September startet spätsommerlich

Die gute Nachricht: Mit dem neuen Monat stellt sich eine „deutliche und nachhaltige Wetterbesserung" in Tirol ein, prognostiziert Werner Troger von den Meteo Experts. Zu verdanken ist der Umschwung einer Hochdruckbrücke über Mitteleuropa, wie der Wetterdienst Ubimet berichtet: Das Hoch Gaya, das seit mehreren Tagen über den Britischen Inseln liegt, dehnt sich in der zweiten Wochenhälfte in Richtung Alpenraum aus und verbindet sich mit einem Hoch über Südosteuropa.

Konkret bedeutet das jede Menge Sonnenschein und steigende Temperaturen bis zum Wochenende. Der Mittwoch beginnt noch mit Hochnebel und Restbewölkung, die lösen sich aber vom Oberland her bereits im Laufe des Vormittags auf. Das Thermometer klettert auf bis zu 23 Grad. Am ungetrübtesten ist es im Oberland sowie in Süd- und Osttirol, meint Troger, trocken bleibt es aber im ganzen Land: „Regen ist vorerst kein Thema mehr."

📽️ Video | Wetteraussichten für ganz Österreich:

„Postkartenwetter" und den schönsten Tag der Woche erwartet der Meteorologe am Donnerstag. Bei Höchstwerten knapp unter 25 Grad bleibt der Himmel weitgehend tiefblau und ungetrübt. Nicht mehr ganz so ungetrübt, aber immer noch freundlich, verläuft auch der Freitag. Im Lauf des Tages ziehen ein paar Quellwolken durch, die harmlos bleiben.

Wie es am Wochenende genau weitergeht, wird sich noch zeigen. „Das Hochdruckgebiet schwächt sich etwas ab, eine gravierende Umstellung sehe ich aber nicht", so Troger. Bei nach wie vor spätsommerlichen Temperaturen sollte es also „wenn dann nur örtlich begrenzt und kurz regnen." (klh)

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