ÖBB-Tickets werden etwas teurer, CO2-Gelder für die Bahn

Den ÖBB fehlen wegen Corona noch immer ein Viertel der Passagiere, trotzdem will man heuer ein dreistelliges Millionen-Plus erwirtschaften.

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Nachtzüge sind laut ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä hervorragend gebucht, während die Nachfrage am Tag schwächelt.
© ÖBB/Knop

Von Alois Vahrner

Alpbach – Das Zugangebot ist nach einer zeitweisen Reduktion längst wieder aufgestockt worden, auch der Güterverkehr läuft gut, sagte ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä in Alpbach gegenüber der TT. Sorgenkind ist weiterhin der Personenverkehr, wo man noch immer um ein Viertel weniger Passagiere zählt als vor Corona. Matthä hofft, dass es keinesfalls zu einem weiteren Lockdown kommt und Bahnfahrer wieder zurückgeholt werden können. Das ÖBB-Personal liege bei den Impfungen über dem Bundesschnitt, zudem werde weiter getestet. In Nachtzügen („die laufen hervorragend und sind besser gebucht als die Züge am Tag“) werden den Passagieren seit dieser Woche Gurgeltests angeboten.

Die Masken-Tragemoral der Kunden (seit einiger Zeit reicht ja wieder ein MNS statt der FFP2-Maske) sei insgesamt gut, leider gebe es aber von rabiaten Verweigerern immer wieder verbale und teils auch körperliche Übergriffe gegen ÖBB-Bedienstete. Übers Jahr gesehen seien es bis zu 80 Verletzte, betont Matthä.

20 neue Nightjets bestellt

Trotz der Corona-Folgen bei den Passagierzahlen peilt der ÖBB-General nach der „schwarzen Null“ 2020 in diesem Jahr ein Ergebnis im dreistelligen Millionenbereich (also mehr als 100 Mio. Euro) an. Das brauche man auch, zumal man ja auch kräftig in neues Zugmaterial investiere. So wurden etwa 20 neue Nightjets bestellt. Auf der Strecke München-Innsbruck-Verona werde man im Taktverkehr Railjets der 2. Generation einsetzen.

Ziel der ÖBB sei es, bis 2050 durch massive Investitionen vor allem in Infrastruktur und Digitalisierung (das ermögliche weit dichtere Fahrpläne) die Kapazitäten auf der Schiene zu verdoppeln. Bis Mitte der 2030er-Jahre werde es auch Doppelstock-Züge im Fernverkehr geben. Tirol liegt laut Matthä nach Vorarlberg und der Ostregion auf Platz 3 der fleißigsten Bahnfahrer.

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Das von der Regierung angekündigte 1-2-3-Ticket scheint mittlerweile ziemlich auf Schiene zu sein. Ab 1. Oktober werde man etwa die Bundes-Variante, die dann ab 26. Oktober starten soll, bestellen können – statt um 1095 Euro für Frühbucher um 949 Euro.

Tarife werden erhöht

Die ÖBB-Tarife werden, nachdem man im Vorjahr auf eine Preiserhöhung verzichtet hat, wieder erhöht, laut Matthä aber „spürbar unterhalb der Inflationsrate“. Wer aber frühzeitig und digital buche, könne einiges Geld sparen.

Brennendes Zukunftsthema sei die Klimakrise. Die Bahn könne hier einen wichtigen Teil zur Realisierung der Klimaziele beitragen, so Matthä. Er halte den Vorschlag der Europäischen Investitionsbank (EIB), 250 Euro je Tonne CO2 einzuheben, für zielführend. Ein Viertel der Einnahmen sollte für den Ausbau des Bahnverkehrs fließen, darunter auch für eine einheitliche europäische Signaltechnik und digitale automatische Kupplungen. Neben Europa fehlten solche derzeit nur noch in Nordkorea und Afrika. Bahnfahren quer durch Europa müsse endlich so einfach funktionieren wie der Lkw-Transport.

Die ÖBB seien bereits mit 100 Prozent grünem Strom unterwegs (davon ein Drittel selbst produziert). Man wolle auch mit Photovoltaik und Windenergie zusätzlichen Strom erzeugen. Bis 2030 soll der gesamte Verkehr (mit allen Bussen) klimaneutral sein, bis 2040 dann inklusive aller Gebäude auch das gesamte Unternehmen.


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