Werwölfe, Dämonen und eine Aufforderung zum Mord am Innsbrucker Landesgericht

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Wegen einer Telegram-Nachricht wurde eine 55-Jährige verurteilt.
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Wegen einer im Mai dieses Jahres auf der Internet-Plattform Telegram geteilten Nachricht musste sich eine 55-Jährige gestern am Innsbrucker Landesgericht verantworten. Vorgeworfen wurde der Reinigungskraft aus dem Unterland, damit zum Mord aufgefordert zu haben. In der Botschaft heißt es, Michael Bonvalot sei zu finden. Zusatz: „Und bringts erm um.“ Der freischaffende Journalist und Blogger aus Wien ist besonders in gewissen Gruppen von Corona-Leugnern und Pandemie-Maßnahmen-Gegnern verhasst, da er unter anderem über deren Radikalisierung recherchiert hat.

Die Angeklagte bekannte sich teilweise schuldig, beteuerte allerdings auch, unüberlegt gehandelt, über die Konsequenzen nicht nachgedacht und den Angesprochenen nicht gekannt zu haben. „Ich teilte das, weil ich schockiert war, dass jemand so etwas schreibt. Um zu zeigen, was für Wahnsinnige im Netz unterwegs sind.“ Auf Nachfrage, warum sie das nicht dazugeschrieben, sondern unkommentiert weiterverbreitet habe, wusste die Frau keine Antwort. Bonvalot sagte im Zeugenstand aus, dass die Nachricht eine Äußerung enthält, „die dazu gemacht ist, Angst zu machen“. Deshalb würde ihn das freilich auch in der Ausübung seines Berufes hemmen.

Den Ausführungen der Angeklagten schenkte die Richterin keinen Glauben. „Sie haben das gelesen, für gut gefunden und geteilt.“ Die 55-Jährige sei schuldig im Sinne der Anklage und wurde deshalb zu einer Geldstrafe in Höhe von 1440 Euro verurteilt.


Ein 39-jähriger Bauarbeiter soll seine mittlerweile Ex-Frau in der Zeit, als die beiden noch verheiratet waren, krankhaft kontrolliert und ihr gedroht haben. Außerdem „dachte er, von einem Dämon besessen und ein Werwolf gewesen zu sein. Ich musste sein Blut trinken, damit das auch auf mich übergeht“, sagte sie gestern am Innsbrucker Landesgericht aus. Zudem habe er gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt. Der Angeklagte bestritt das und warf seiner ehemaligen Partnerin Schauspielerei vor.

Weil Aussage gegen Aussage stand und die Angaben des mutmaßlichen Opfers die Richterin keinesfalls überzeugten, wurde der Mann von allen Vorwürfen freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (bfk)


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