Durchwachsene Sommerbilanz in Sachen Wetter und Verkehrsunfälle

Laut Meteorologen war der Sommer 2021 in Tirol durchschnittlich heiß und zu nass. Verkehrsexperten blicken auf unfallreiche Monate mit mehr Toten als sonst zurück.

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Wer diesen Sommer im Freien unterwegs war, war gut beraten, einen Regenschirm mit dabei zu haben.
© Falk

Innsbruck – Der meteorologische Sommer (Juni bis August) startete heuer mit dem drittwärmsten Juni der Messgeschichte, der auch sehr sonnig und sehr trocken war. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) war der Juli im Süden Österreichs sehr trocken, sonst größtenteils nass. Deutlich zu warm war es im Juli vor allem von Unterkärnten bis zum Weinviertel. Der August brachte relativ wenig Sonne und überdurchschnittlich viel Niederschlag, bei Temperaturen, die in etwa dem Mittel der letzten 30 Jahre entsprachen, aber über dem Mittel von 1961–1990 lagen.

„Insgesamt haben wir einen der zehn wärmsten Sommer der 255-jährigen Messgeschichte erlebt“, sagt Zamg-Meteorologe Alexander Orlik. „Der Sommer 2021 liegt in der vorläufigen Auswertung auf dem achten Platz, gleichauf mit den Sommern 1994 und 2012.“ Die Zahl der Hitzetage mit mindestens 30 Grad lag im Sommer 2021 im Süden und Osten Österreichs größtenteils über dem Mittel der letzten 30 Jahre, im Westen und Norden knapp darunter. So wurden zum Beispiel an der Messstelle an der Universität Innsbruck heuer 19 Hitzetage gezählt, zwischen 1991 und 2020 waren es im Schnitt rund 21.

August in Tirol um 1,2 Grad zu kalt

In Tirol wurde mehr Niederschlag als im langjährigen Schnitt registriert – nämlich ein Plus von neun Prozent. Die Sonne zeigte sich diesen Sommer hierzulande um fünf Prozent seltener als im Schnitt. Den heurigen Hitzerekord im Bundesland holt die Landeshauptstadt – am 18. Juni wurden in Innsbruck 34,5 Grad gemessen.

Gar nicht sommerlich präsentierte sich der August, der laut Metorologe Orlik der sonnenärmste und kühlste August seit dem Jahr 2014 war. In Tirol war dieser Monat um 1,2 Grad zu kalt, die Abweichung der Sonnenscheindauer beträgt Minus 19 Prozent. Die Zahl der Hitzetage mit mindestens 30 Grad lag im August österreichweit über alle Messstationen gemittelt um 40 Prozent unter dem Mittel der vergangenen 30 Jahre, die Zahl der Sommertage mit mindestens 25 Grad um 32 Prozent.

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Die Regenmenge lag im August 2021 in der österreichweiten Auswertung um 15 Prozent über dem Mittel der letzten 30 Jahre. „Im vorigen Jahr war es noch feuchter, der August 2020 brachte 50 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel“, sagt Zamg-Klimatologe Orlik.

Seit Jahresbeginn 18 Verkehrstote in TIrol

Nicht nur die Meteorologen, auch die Verkehrsexperten und Unfallforscher ziehen zum Ende des meteorologischen Sommers Bilanz. Und die fällt angesichts der Unfallzahlen heuer wenig erfreulich aus. Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) kamen nach vorläufigen Daten im Juli und August acht Menschen auf Tirols Straßen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Im Sommer des Vorjahres starben sieben Menschen im Straßenverkehr, fünf waren es im Sommer 2019. Die meisten Toten im Sommer der vergangenen Jahre in Tirol gab es 2018. Damals verloren im Juli und August 15 Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben. 2017 waren im gleichen Zeitraum zehn Todesopfer auf Tirols Straßen zu beklagen.

Seit Jahresbeginn wurden damit in Tirol 18 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet, österreichweit sogar 224. Österreichweit verloren alleine im Juli und August 77 Menschen ihr Leben bei Verkehrsunfällen, um fünf mehr als im Sommer des Vorjahres. Im Bundesländer-Vergleich gab es im heurigen Sommer in Niederösterreich mit 19 die höchste Anzahl an Verkehrstoten, in Oberösterreich starben 14 Menschen, in der Steiermark 13 und in Kärnten neun.

Hauptunfallursachen waren laut Verkehrsclub Österreich zu hohe Geschwindigkeit sowie Unachtsamkeit und Ablenkung. Die höheren Strafen für Raser, die seit gestern gelten, können nur ein erster Schritt sein, betont der VCÖ in seiner Aussendung. „Tempolimits werden in Österreich von zu vielen als Mindestgeschwindigkeit und nicht als Höchstgeschwindigkeit betrachtet. Es ist insgesamt das Bewusstsein zu schärfen, dass zu schnelles Fahren alles andere als ein Kavaliersdelikt ist, sondern fatale Folgen haben kann“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. In der Führerscheinausbildung sollte ein stärkerer Fokus auf die Folgen von zu hohem Tempo gelegt werden, fordert der Verkehrsexperte. (TT, np)


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