Unwetter in Kufstein: Hochwasser legt die Stadtkasse trocken

2,46 Mio. Euro musste die Gemeinde Kufstein nach den Überschwemmungen Mitte Juli investieren.

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In der Nacht vom 17. auf 18. Juli brach das Unwetter über Kufstein herein und hinterließ schwere Schäden.
© Otter

Kufstein – Der Kufsteiner Gemeinderat zog bei seiner Sitzung am Mittwochabend Bilanz nach den Überschwemmungen in der Nacht vom 17. auf 18. Juli. Vom Aschenbrenner wurden teilweise 40 Meter lange Wegstücke heruntergespült, schilderte BM Martin Krumschnabel, der von einer Einstufung als HQ100+ (über hundertjährliches Hochwasser) ausgeht. 2,46 Mio. Euro musste die Festungsstadt für Schäden an öffentlicher Infrastruktur und deren Behebung aufbringen – Summen von Privaten sind teilweise noch offen. Von Versicherungen bzw. Landesförderungen und Zahlungen aus dem Bundes-Katastrophenfonds werden Unterstützungen in der Höhe von 1,5 bis 1,6 Mio. Euro erwartet. Für die restliche Million bedient sich die Stadt eines Kontokorrentkredits (Laufzeit bis September 2022).

Viel Lob wurde den mehr als 1000 Einsatzkräften – Feuerwehren aus ganz Tirol und Bayern waren ausgerückt, das Bundesheer war mit 50 Kräften vor Ort – ausgesprochen, wie auch den freiwilligen Helfern, die Tage später noch Schlamm und Sperrmüll aus den Kellern der Stadtbewohner schleppten. „Manche haben die Gummistiefel 24 Stunden lang nicht ausgezogen“, zollte BM Martin Krumschnabel den „Unermüdlichen“ Respekt.

Der Danksagung schlossen sich viele Gemeinderäte an, es gab aber auch Kritik und mahnende Worte. Extremwetterereignisse werden künftig vermehrt auftreten, appellierten etwa Grüne und SPÖ/Parteifreie für mehr Vorsorge beim Hochwasserschutz. GR Birgit Obermüller verwies auf das Jahr 2015, als die Stadt einen Grundeigentümer an der Weißache aufforderte, unverzüglich die marode Hochwassersicherung zu erneuern. Es stellte sich heraus, dass die Gemeinde dafür verantwortlich sei, nur: Passiert ist seither nichts. „Die maroden Teile wurden nun mitgespült und haben zur Verklausung und Überflutung beigetragen“, meinte Obermüller, wobei: „Es geht nicht um Schuldzuweisungen, aber fertige Vorhaben dürfen künftig nicht in der Schublade liegen bleiben“.

Für sieben Mio. Euro (80 % Bund) plant die Stadt Hochwasserschutzprojekte, Gespräche mit Grundbesitzern laufen.

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Mehr als 100.000 Euro spendete die Bevölkerung. Die Auszahlung dauert, bat Krumschnabel um Geduld. Man wolle nach Abrechnung der Geschädigten mit Land und Bund zielgerichtet „unter Berücksichtigung der sozialen und wirtschaftlichen Situation der Betroffenen“ helfen. (jazz)


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