Oliver Laric: Die Momente zwischen den Momenten

RLB-Kunstpreisträger Oliver Laric bespielt die Studiogalerie des Ferdinandeums mit seinen Videos und Skulpturen.

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Per 3D-Druck von Oliver Laric generierte Klone des bronzenen Oceanus des Leopoldbrunnens sowie marmorner Hundegruppen.
© Wolfgang Lackner

Innsbruck – Der seit 2004 alle zwei Jahre von der RLB ausgeschriebene Preis für Tiroler Künstler*innen bis 40 ist nicht nur durch die Dotierung des Hauptpreises mit 10.000 Euro für junge Kunstschaffende höchst interessant, sondern – fast mehr noch – durch das Versprechen auf eine Personale im Ferdinandeum. Nach Karin Ferrari vor zwei Jahren wird diese Ehre nun Oliver Laric als aktuellem RLB-Kunstpreisträger zuteil.

Der vor 40 Jahren in Innsbruck geborene, heute in Berlin lebende Künstler ist real wie mental ganz im Heute verortet, in den unterschiedlichsten Welten unterwegs. Um sich mit Hilfe des Computers seine artifizielle, eigene zu erzeichnen bzw. in 3D zu erdrucken. Was bei diesem höchst konzentrierten Tun herauskommt, führt der Absolvent der Wiener Angewandten nun in der musealen Studiogalerie vor.

Um „Betweenness“ geht es in Oliver Larics Videoarbeiten, die letztlich Visualisierungen von Momenten zwischen den Momenten sind. Entwickelt auf weißem Grund aus einer einzigen animierten schwarzen Linie heraus, die Pilze sprießen, Frösche hüpfen, Hirschkäfer kämpfen, Blätter fliegen oder Hände sich verschränken lässt. Getaktet in rascher Abfolge, wobei sich allerdings nicht etwa eine Sequenz aus der anderen ergibt, vielmehr der „Faden“, aus dem sie gestrickt sind, jeweils einem neuen Muster folgt. Bei dem „Untitled“ heißenden zweiten Video geht es dagegen um die Transformation flirrender, amorpher Körper, die sich in rascher Taktung auflösen bzw. zu etwas anderem, mehr oder weniger Assoziativem verdichten. Unendlich viele Möglichkeiten tun sich da auf, vom Künstler geformt aus digitalem Plastilin.

Als Bildhauer sind nicht etwa Stein, Holz oder Gips die Werkstoffe für Larics Skulpturen, sondern per 3D-Druck generierte, federleichte Versatzstücke aus Kunststoff. Deren Basis Scans von Skulpturen aus sämtlichen kunsthistorischen Etappen sind. Die Laric auf der Webseite threedscans.com zum freien Download zur Verfügung stellt. Denn was den Künstler interessiert, ist, was die User damit machen, in welchen Settings bzw. welcher Transformation die Scans wieder auftauchen.

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In dieser Sammlung finden sich Dürers Theoderich aus der Innsbrucker Hofkirche genauso wie der Oceanus vom Innsbrucker Leopoldbrunnen oder zwei Windhunde, die Francesco Antonio Franzoni um 1770 aus Marmor gehauen hat. Um als 3D-Klon etwa den martialischen Theoderich, der vom Sockel geholt und auf menschliche Größe geschrumpft ist, zu einer zarten, fast androgyn daherkommenden Figur zu transformieren, die zu tänzeln scheint. Mit einem Helm am Kopf, der durch seine feine Perforation zu einer Spitzenhaube wird. Wobei Laric generell das Spiel mit Uneindeutigem mag, durchdekliniert anhand unterschiedlichster Haptiken und farbiger Nuancen. Nicht zuletzt, um die Frage nach Original und Kopie aufzuwerfen.


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