Gonn Mosny in Telfs gewürdigt: Nervöses Kritzeln nebst formlosen Formen

Zweite Würdigung für Gonn Mosny: Die Villa Schindler widmet dem Künstler die Retrospektive „Loslassen“, direkt in seiner Wahlheimat Telfs.

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Auch Teil der Schau „Loslassen“ in Telfs: Gonn Mosnys LW226. In Führungen und Workshops will man in Telfs dem Künstler näherkommen.
© K.Mosny

Von Barbara Unterthurner

Telfs – Die Würdigung durch eine Personale zu Gonn Mosny im Kunstraum Innsbruck kam spät. Aber nicht zu spät. 2017 hatte Karin Pernegger, damals künstlerische Leiterin im Kunstraum, eine Entdeckung gemacht. Eine zufällige, wie sie heute sagt. Von einem Arbeitskollegen erfuhr sie, dass Willi-Baumeister-Schüler Gonn Mosny seit 2005 in Telfs lebt. Gekannt hatten den deutschen Künstler hierzulande nur wenige, zu sehen waren seine Arbeiten noch nie. Umso größer war die Überraschung, als seine Malereien, entstanden im Telfer Atelier, 2017 den Kunstraum mit ihrer fast magischen Energie durchfluteten. Zur Finissage sprach Pernegger noch mit Mosny vor Publikum. Nur einen Tag danach erlitt er einen Schlaganfall. Kurz darauf verstarb der Künstler.

Während sich Pernegger im Kunstraum auf das jüngste Werk konzentrierte, ist ihre neue Schau zu Mosny, dieses Mal direkt in seiner Wahlheimat Telfs, als Überblick angelegt. Erstmals zeigt es Mosny auch als Bildhauer, der er schon seit den 1950ern war. Zur Malerei im großen Format kam er eigentlich erst nach 1985, er brach damals sowohl mit seiner Arbeit als Professor an der Hochschule in Pforzheim (dessen Fakultät für Gestaltung er mitgegründet hatte) als auch mit Kunst-am-Bau-Projekten, zumeist in Form großflächiger Keramikreliefs. Für einen völlig neuen Abschnitt steht die 226. Leinwand (im Bild), ein zentrales Werk, das bereits im Kunstraum als Einladungsbild herhielt.

Villa Schindler

Obermarkt 45, Telfs

bis 30. Oktober

Do 18–21 Uhr, Sa 13–17 Uhr.

Es steht auch deswegen in Telfs erneut im Mittelpunkt, weil dort Mosnys künstlerische Methodiken in einer besonders stimmigen Komposition kulminieren. Einerseits sind alle Malereien von einer nervösen Kohleschraffur überzogen. Andererseits sind es die farbigen, formlosen Formen, die den Blick der BetrachterInnen magisch anziehen. Sowohl Baumeisters Ideogramme als auch Cy Twomblys schriftzugartige Zeichnungen haben einen Einfluss auf den Künstler.

Eingewirkt auf den Malprozess hat dagegen Mosnys Grundeinstellung, die ganz im zenbuddhistischen Sinne ein Freimachen von jeglichem Wollen voraussetzt. Der Ausstellungstitel „Loslassen“ ist demnach programmatisch zu verstehen. Die Malerei floss ohne inhaltliches Hindernis direkt auf die Leinwand.

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Wirklich Einfluss genommen hat Mosny auch auf seine Skulpturen nicht, handelt es sich bei den als menschenähnlich assoziierte Figuren doch um pure objets trouvés, gefundenes Material aus Abbruchhäusern, das Mosny zum Readymade zusammensetzt. Dementsprechend roh kommen die Stücke daher, die Pernegger als Gruppe gleich zum Auftakt den Eintretenden in den Weg stellt.

Biegt man um die Ecke, heißt es hingegen Durchatmen, ans Ende des ersten Raumes setzt die Kuratorin, die für das Vermittlungsprogramm besonders auf Mosnys Tochter Birte setzt, die erste Leinwand, die der Künstler in Telfs geschaffen hat. Inmitten der Berge entstand ein Farben- und Formenmeer. Links gegenüber hängt dagegen eine zögerliche Zeichnung mit einem bestimmten „Danke“. Es ist das Letzte, das Mosny gefertigt hat, direkt auf dem Sterbebett. Ein Künstler bis zuletzt.


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