Ausstellung im Wiener MAK: Der Duft von Alpenrosen als Reliquie

Stellen wir uns vor, unser Planet hat Zukunft: Ausstellung im Wiener MAK zum Thema Erderwärmung und Klimawandel.

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Sequenz aus Anna Meyers 20-teiliger Serie „Weltschmerz“: „Wir sind die Dinos von Morgen“, 200 x 400 Zentimeter, Öl auf Aluminium, 2020.
© anna meyer

Von Edith Schlocker

Wien – Die Museen verstehen sich längst nicht mehr nur als Orte, in denen das Vergangene bewahrt, erforscht und präsentiert wird, sondern zunehmend als Laboratorien, in denen – auch – die brennenden Fragen von Gegenwart und Zukunft verhandelt werden. Und so ist die Sorge um die Zukunft unseres Planeten in Zeiten von Klimawandel und Erderwärmung diesen Sommer auch in einem so hehren Musentempel wie dem Wiener MAK angekommen. Um in der groß angelegten, sehr dicht zelebrierten und somit vom Besucher viel Konzentration fordernden Schau „Planet Love. Klimafürsorge im Digitalen Zeitalter“ vorzuführen, welche Impulse diesbezüglich von Seiten der Kunst und Architektur sowie des Designs ausgehen könnten. Basierend auf der banalen Erkenntnis, dass es „noch keinen Planeten B.“ gibt. Weshalb wir uns, wenn wir die Erde lieben, um sie kümmern müssen.

Die mit 120 Beiträgen unterschiedlichster Art bestückte Ausstellung nähert sich dem Thema mit viel Optimismus bzw. der Aufforderung „Stellen wir uns vor, unser Planet hat Zukunft“. Dass die herrschenden Systeme allerdings geändert gehören, wird dem Besucher bereits beim Eingang zugeflüstert. Ist es doch das Ziel des Kuratorenteams, dass jeder, der das MAK wieder verlässt, zum „Climate Carer“ geworden ist.

„Collective Pain“ der jungen Tirolerin Sophie Gogl.
© S. Gogl

In Kapitel 1 wird der Planet zum Organismus, der unserer Fürsorge bedarf. Dass der Countdown unerbittlich läuft, um die Abwärtsspirale zu stoppen, daran lässt die tickende „Climate Clock“ keinen Zweifel, genauso wie die Bilder schmelzender Gletscher, etwa in Anna Meyers monumentaler Arbeit „Wir sind die Dinos von Morgen“, in der sich die Schweizerin mit der Bedrohung des Großglockners auseinandersetzt.

Aber auch Greta Thunberg darf in einer Schau wie dieser nicht fehlen. „Porträtiert“ von Thomas Bayrle als Puzzle roter Blutkörperchen. Poetisch bringt der Tiroler Martin Walde den drohenden Verlust von Natur auf den Punkt, wenn er den Duft von Alpenrosen in eine Phiole einschließt und auf diese Weise zur Reliquie macht, während die junge Kufsteinerin Sophie Gogl in ihrer Arbeit „Collective Pain ist the Engine of Evolution“ einen Käfer schreiben lässt, was Sache ist.

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Zentrum der Schau ist ein Wald realer Schwarzföhren. Ein Teil ist grün, ein anderer verdorrt, ein dritter verkohlt. Zu lesen als Metapher für ein Ökosystem, das durch die Ausbeutung durch den Menschen ins Wanken gekommen ist. In der Ausstellung geht es aber auch ganz pragmatisch darum, wie wir in Zukunft im Einklang mit der Umwelt leben wollen bzw. sollen. In langsamen Städten, auf langsamen Reisen, in langsamer Mode.


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