„Heart of Noise“ in Innsbruck: Soundmaschinen in Trance

Körperlich intensiv: Das Heart of Noise bespielte fünf Spielstätten mit Hybriden aus Performance und Sound.

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Robert Henkes Orchester besteht aus fünf Commodore-Computern aus 1980.
© Daniel Jarosch

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Als durchaus körperliche Erfahrung dürfte dieses Wochenende nicht nur den TeilnehmerInnen des Innsbruckathlons in Erinnerung bleiben, sondern auch dem Publikum des „Heart of Noise“ (HoN). Und das nicht nur, weil beim Wechsel zwischen den Spielstätten inmitten des Kulturquartiers zuerst Hürden und Absperrungen ebenjenes Innsbrucker Hindernislaufs hatten überwunden werden müssen. Nein, auch weil das HoN im elften Jahr seit seiner Gründung einmal mehr dem Vorsatz folgt, Konzerterlebnisse anzubieten, die über die gängige Live-Musik-Erfahrung hinausgehen; Hybride aus Performance und Musik, die mal durch Mark und Bein gehen, mal aufhorchen lassen.

So startete der Freitag in der Dogana zunächst mit einer technischen Einführung. Robert Henke stand auf der Bühne und erklärte Computer. Ein Gespräch über den neuesten heißen Scheiß? Mitnichten, besteht sein Orchester doch aus fünf 1980er-Commodore, die Sound und Visuals können. Kunst und Sound treffen sich in 8-Bit. Damit passt Henke auf Festivals und in die Tate und liefert eine der lässigsten HoN-Eröffnungen überhaupt ab. Über dem Computer steht nur noch die totale Soundmaschine: bei „Rotor“ des Kollektivs NO1 entstand diese im Zusammenspiel von kinetischer Skulptur, Video, Licht und dem Bass, der den Brustkorb beben lässt.

© Daniel Jarosch

Voll auf den menschlichen Körper konzentrierte sich die Performance „Onirica“ von Marta Navaridas am Samstag. Drei intensive Stunden lang verwandelten drei Performer bewaffnet mit blauem Edding im Kunstpavillon den sonst intimen Zeichenprozess in ein episches Spiel von Körper, Intuition, Trance. Eine Zeichnung ohne Ende. Es ist die erste Zusammenarbeit von HoN und Tiroler Künstler:innenschaft – so darf es weitergehen, meint nicht nur Veranstalter Chris Koubek.

Erstmals bespielt hatte das HoN heuer auch die Dogana, die bisher größte Spielstätte für das Festival. Wirklich ausgefüllt hatten diesen Rahmen nicht alle Acts; zugeschaut und hingehört hatten aber 800 bis 1000 Gäste pro Tag, alle fünf Spielstätten zusammengerechnet, hieß es gestern von den Veranstaltern. Dazu gehörte neben dem Kubus vor dem Landestheater (mit Fokus auf Installationen) wie schon in den letzten Jahren u. a. der Musikpavillon im Hofgarten.

Was dort gestern Nachmittag mit Kmrus geloopten Field Recordings atmosphärisch begann, wuchs sich bei Ronce bedrohlich aus. Das Beste am Musikpavillon: Hier bricht das HoN aus der selbst geblasenen Bubble aus und kracht mitten in das sonntägliche Hofgartentreiben. Das Aufeinanderzugehen tut beiden Seiten gut.

Eine gute Mischung versprach auch das sonntägliche Finale, vom Diskurs mit Die Sterne geradeaus in den Club mit Lena Andersson. Ergibt am Ende drei anstrengende Tage – im guten Sinn.


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