Australisches Fleisch in Tirol heizt Debatte um Herkunftsbezeichnung an

  • Artikel
  • Diskussion

Innsbruck – In Bergrestaurants kommt hierzulande durchaus Fleisch aus Australien auf den Tisch. Nur durch Zufall kriegt der Konsument das auch mit. Ein Bericht der über den Beschwerdebrief einer Touristin sorgte landesweit für Empörung. Und hat die Debatte um eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung für in der Gastronomie verarbeitete Lebensmittel erneut angeheizt. Die aktuelle Regel schütze „Betriebe, die unehrlich arbeiten“, sagt etwa der grüne Landwirtschaftssprecher Georg Kaltschmid.

Zur Erinnerung: Eine Frau aus Salzburg hat bei einer Seilbahnfahrt beobachtet, wie unter anderem australische Fleischprodukte in die Gondel verladen und Richtung Berg gebracht wurden. „Nicht zu glauben und zum Schämen“, meinte sie in ihrem Schreiben. Eigentlich sollten heimische Bauern vom Tourismus profitieren, „was ihnen auch zusteht, weil sie die Almen und Landschaft pflegen“.

Der Landwirtschaftskammerrat und Sprecher des Unabhängigen Bauernverbands in Tirol, Alfred Enthofer, sprach gegenüber der von einer kräftigen „Watsch’n“ für die heimischen Bauern. Eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung müsse her. Angesprochen auf die Causa, erklärte Landwirtschaftskammerpräsident und ÖVP-Nationalrat Josef Hechenberger, sowohl den Groll der Landwirte als auch die Vorbehalte einiger Gastronomen wegen eines geringen Angebots der heimischen Produzenten in manchen Sektoren zu verstehen.

Für Georg Kaltschmid von den Tiroler Grünen steche das Argument, dass es Bereiche gebe, wo das Angebot aus der heimischen Landwirtschaft nicht ausreiche, nicht. „Eine Herkunftsbezeichnung bedeutet ja nicht, dass dann alle Betriebe auf heimische Produkte zurückgreifen müssen, sondern eben nur kennzeichnen müssen, wo ihre Produkte herkommen. Mit der jetzigen Regelung schützen wir nur Betriebe, die unehrlich arbeiten, sowie Billigproduzenten aus dem Ausland“, sagt Kaltschmid. Er fordert von Kammerpräsident Hechenberger, der in dieser Diskussion bislang kein verlässlicher Partner sei, sich mehr für eine Überarbeitung der Richtlinien einzusetzen. (TT)


Kommentieren


Schlagworte