Sebastian Kurz im ORF-Sommergespräch: „Zeit der Lockdowns muss vorbei sein"

Im ORF-Sommergespräch sprach Kanzler Kurz zum weiteren Vorgehen in der – von ihm eigentlich für beendet erklärten – Corona-Pandemie, zur möglichen Anklage gegen ihn und den Folgen des Klimawandels.

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Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher.
© HANS PUNZ

Wien – Es war das Finale der ORF-Sommergespräche mit den Chefs der Parlamentsparteien. ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz war am Montagabend auf das Dach des Leopoldmuseums in der Wiener Innenstadt geladen. Die Pandemie, die dieser im Juni 2020 gesundheitlich für beendet erklärt hatte, war eines der Themen.

Dahingehend sagte der Regierungschef, dass künftig die Bettenbelegung auf Intensivstationen, nicht mehr die Sieben-Tage-Inzidenz „Leitindikator“ sein werde. Der Inzidenzwert habe durch die Impfung und die breit angelegten Testungen nicht mehr jene Aussagekraft, wie er sie noch vor einem Jahr hatte. Die Intensivstations-Belegung solle daher als "maßgeblicher Leitindikator zur Lageeinschätzung" und für mögliche Maßnahmen dienen. Mit Erreichen einer gewissen Belegungszahl sollen auch bestimmte Maßnahmen verknüpft werden. Konkreteres zum weiteren Vorgehen soll am Mittwoch bei den geplanten Beratungen mit den Landeshauptleuten abgestimmt und präsentiert werden.

Eine Absage kam vom ÖVP-Chef gegenüber einem weiteren generellen Lockdown: „Es wird sicherlich keine Lockdowns mehr geben für geimpfte Menschen." Ziel sei, so wenig Freiheitsbeschränkungen wie möglich zu haben, dies bedeute für ihn, „dass die Zeit der Lockdowns vorbei sein muss". Einschränkungen werde es nur mehr für Ungeimpfte geben, und zwar dann, wenn die Überlastung der Spitäler droht.

📽️ Video | Kurz zu Herausforderungen in der CoV-Pandemie

Als Beispiel nannte Kurz einmal mehr die mögliche Einführung eines beschränkten Zugangs zur Nachtgastronomie – oder auch zu „Großveranstaltungen": „Bevor ein Bereich ganz geschlossen wird, ist mir lieber, er bleibt für Geimpfte offen", wiederholte er seine Aussagen vom Sonntag. Der Begriff „1G" sei dabei aber „nicht ganz treffsicher", denn Genesene seien Geimpften gleichzustellen, deutete Kurz eine Gleichbehandlung all jener an, die bereits eine Erkrankung durchgemacht haben.

Kurz will intensives Testen in Schulen statt Heimunterricht

Und: Die Schulen sollen offen bleiben: „intensive Testungen statt Home-Schooling“. Schon vor der Sendung sickerten weitere „Schwerpunkte“ im Umgang mit der Pandemie durch – nicht alle erwähnte der Kanzler in der Sendung. Eine Erhöhung des „Kontrolldrucks“ will der Kanzler bei den bestehenden Regeln: Es seien immer mehr Fälschungen von Impfzertifikaten im Umlauf. Auch die „3G“-Kontrollen seien teilweise mangelhaft. Deswegen soll es mehr und verstärkte Kontrollen geben.

Gleichzeitig hieß es, alle Details zum weiteren Vorgehen werden am Mittwoch bei den geplanten Beratungen mit den Landeshauptleuten abgestimmt und präsentiert.

📽️ Video | Keine Impfpflicht, keine generellen Lockdowns mehr

Im Schnitt 890.000 sahen Kurz

Die fünfte und letzte Ausgabe der heurigen ORF-"Sommergespräche" mit ÖVP-Chef und Bundeskanzler Sebastian Kurz haben im Schnitt 890.000 Zuseherinnen und Zuseher verfolgt. In Spitzen schalteten am Montagabend eine Million Personen für das von Lou Lorenz-Dittlbacher geführte Interview auf der sogenannten Libelle am Dach des Leopold Museums im Wiener Museumsquartier ein. Der Marktanteil betrug laut einer Aussendung 34 Prozent.

Die durchschnittliche Reichweite liegt in etwa auf Höhe des Vorjahres-"Sommergesprächs" mit Kurz. Im Vergleich mit den anderen heuer geführten Interviews mit den Chefs der Parlamentsparteien reiht sich der Bundeskanzler an zweiter Stelle hinter Herbert Kickl (FPÖ) ein, für den im Schnitt 914.000 Personen ihr Fernsehgerät eingeschaltet hatten. Hinsichtlich der erzielten Marktanteile war jedoch das gestrige Interview das erfreulichste für den ORF.

Insgesamt erreichten die fünf "Sommergespräche" 2,67 Mio. Personen (weitester Seherkreis), was 35 Prozent der heimischen TV-Bevölkerung ab 12 Jahren entspricht. Durchschnittlich waren 769.000 Zusehende bei 29 Prozent Marktanteil pro Gespräch dabei. In den jungen Zielgruppen lagen die Marktanteile bei 20 Prozent (12-29) und 22 Prozent (12-49).

Betrachtet man die ORF-"Sommergespräche" seit 1995 liegt die heurige Ausgabe mit ihrer erzielten Durchschnittsreichweite an dritter Stelle hinter den von Tobias Pötzelsberger geführten Gesprächen im Jahr 2019 (805.000 Zusehende) und jenen von Tarek Leitner geführten Gesprächen im Jahr 2017 (782.000 Zusehende). Das im August geführte Interview mit Kickl ist das fünftmeist gesehene seit 1993. An der Spitze rangiert ein "Sommergespräch" mit Kurz aus dem Jahr 2017 mit im Schnitt 1,07 Mio. Zusehenden. Die Plätze zwei bis vier belegen erneut Kurz, Heinz-Christian Strache (ehemals FPÖ) und Christian Kern (ehemals SPÖ).

Für die "Sommer(nach)gespräche" auf ORF III unter der Gesprächsleitung von Ingrid Thurnher schalteten heuer im Schnitt 183.000 Zuschauerinnen und Zuschauer bei einem Marktanteil von elf Prozent ein. Die Live-Streams und Video-on-Demand-Angebote der "Sommergespräche" verzeichneten 245.000 Nettoviews (zusammenhängende Nutzungsvorgänge) und 1,2 Mio. Bruttoviews (registrierte Videostarts).

Kanzler verspricht steuerliche Entlastung

Als weiteres Thema wollte Kurz beim „Sommergespräch“ die angekündigte „ökosoziale Steuerreform“ behandeln, diese werde einen weiteren Schwerpunkt der Herbstarbeit bilden. Vor allem aufgrund der hohen Inflation sollen besonders die kleinen und mittleren Einkommen entlastet werden sowie der Familienbonus und die Pensionen erhöht werden.

Mit den Grünen arbeite man „gut“ zusammen, erklärte Kurz, der auch beim Thema Migration auf seiner bisher geäußerten Linie blieb. Einen Papa-Monat nach der Geburt seines Kindes schloss der Regierungschef für sich übrigens ebenso aus. (TT)

📽️ Video | Investitionen in Klimaschutz


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