Impfbereitschaft: Experten fordern auf, Ärzten statt Fake News zu glauben

Fake News über Corona gibt es im Netz massenweise. Während sich die einen davon nicht beeinflussen lassen, wird den anderen die Angst vor der Impfung eingeredet. Während man in anderen Ländern die angestrebte Durchimpfungsrate erreicht hat, kämpft man hierzulande gegen die niedrige Impfbereitschaft.

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© OSKAR HÖHER

Wien – Aus Sicht der Patientensicherheit ist es ungerechtfertigt, sich nicht gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen, sagte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres Mittwochvormittag in Wien vor Journalisten: „Mein Appell an alle Menschen ist: Lassen Sie sich impfen, denn es ist wirkungsvoll, sicher und der einzige Weg aus der Pandemie." Wer von Fake News so verunsichert ist, dass er sich vor der Covid-19-Impfung fürchtet, solle sich von seinem niedergelassenen Arzt beraten lassen.

Für Szekeres sei es enttäuschend, dass „der einzige Schlüssel, um die Pandemie einzudämmen", so inkonsequent genutzt wird. In Dänemark könne man dank einer Durchimpfungsrate von über 80 Prozent (Anm.: bei der Bevölkerung über 16 Jahren) die Covid-19-Maßnahmen zurücknehmen, in Österreich müsse man die Restriktionen wegen der geringen Impfbereitschaft wieder hochfahren. Das heißt, für die einen gibt es ein Leben nach Covid-19, für die anderen eine Fortsetzung des Lebens mit dem Coronavirus, meint er.

Mediziner sollen bei Aufklärung eine große Rolle spielen

„Ich verstehe gar nicht, wieso es so schwierig ist, die Menschen zu überzeugen", sagte der Mediziner. Als Hauptgrund für die Impfskepsis ortet er Fake News. „Zum Beispiel Unsinn, wegen der Impfung keine Kinder mehr bekommen zu können, oder dass man davon impotent wird", erklärte er: „Es muss uns gelingen, die Leute besser aufzuklären."

Aus seiner Sicht sollten die niedergelassenen Mediziner dabei eine große Rolle spielen. „Wenn Sie Zweifel haben, gehen Sie zum Arzt ihres Vertrauens, er wird ihnen erklären, wie die Situation ist", so der Präsident der Österreichischen Ärztekammer. „Viele Leute haben auch persönlichen Kontakt mit Menschen aus Gesundheitsberufen, sie sollten die Gelegenheit nutzen, um sie zu fragen, wie das mit der Impfung so ist", empfahl Gabriele Jaksch vom Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Berufe Österreichs (MTD-Austria).

Da die Covid-19-Impfungen weltweit milliardenfach verabreicht wurden, gäbe es kaum eine Behandlung, bei der man so viele Daten und Erfahrung habe, so Szekeres: „Sie sind sicher, im Gegensatz zur Krankheit." Selbst bei jungen Patienten hätte eine Infektion mit SARS-CoV-2 oft schwerwiegende Folgen wie Lungenkomplikationen, und auch bei leichten Verläufen seien zehn Prozent von Long Covid betroffen.

Durchimpfungsrate in Gesundheitsberufen hoch, Impfpflicht sinnvoll

Für die Gesundheitsberufe erachte er eine Impfpflicht als sinnvoll. Ein infizierter Mitarbeiter kann ältere Patienten und jene mit Vorerkrankungen anstecken, die viel gefährdeter sind als er selbst, sagte der Mediziner. Er plädierte dafür, „dass Wege gefunden werden, um das Gesundheitspersonal durchzuimpfen". „Wir können die Hygienemaßnahmen in den Einheiten zum Quadrat verstärken, aber tatsächlich ist die Situation nur durch die Impfung verbesserbar", so Brigitte Ettl von der Österreichischen Plattform Patientensicherheit. „Zur Beruhigung kann ich allerdings sagen, dass bei den Menschen in den Gesundheitsberufen die Durchimpfungsrate viel höher ist als bei der restlichen Bevölkerung", so Egon Unterberger vom Wiener Gesundheitsverbund.

Fakten im Netz verständlich darlegen

Ettl empfahl, dass die großen Gesundheitsorganisationen „die Kanäle beobachten, wo viele unrichtige Sachen verbreitet werden, wie Facebook, Twitter und Co". Sie sollten dort die Fakten professionell und einfach verständlich darlegen für Patienten, Nicht-Erkrankte und die verschiedensten Bevölkerungsgruppen. „Beim Wiener Gesundheitsverbund gibt es bereits Kommunikationsabteilungen, die schauen, was die Gesellschaft beschäftigt, und sich Strategien überlegen, wie man damit umgeht", sagte Unterberger.

Die Pressekonferenz fand anlässlich des von der WHO ausgerufenen „Internationalen Tags der Patientensicherheit" am 17. September statt. An jenem Tag würden in Österreich "wichtige Gebäude beleuchtet, um das Thema sichtbarer zu machen", so Ettl. Am 8. Oktober folgt in der Klinik Floridsdorf eine Expertentagung der Plattform Patientensicherheit, wo auch mit dem "Austrian Patient Safety Award 2021" Personen und Projekte hervorgehoben werden sollen, die sich bei der Patientensicherheit verdient gemacht haben. (APA)


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