Hauptplatz-Debatte führte zu Eklat in Lienz

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Musste sich entschuldigen: Kurt Steiner (ÖVP).
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Von Catharina Oblasser

Lienz – „Ihr habt ja die Mehrheit, du und deine gekauften Gemeinderäte!“ Diese Worte, die in der Lienzer Gemeinderatssitzung am Dienstagabend fielen, gingen eindeutig zu weit. Gekommen waren sie von Vizebürgermeister Kurt Steiner, der zur ÖVP gehört, und gerichtet waren sie an Bürgermeisterin Elisabeth Blanik von der SPÖ.

Getroffen haben sie aber vor allem zwei andere Personen, nämlich Gerlinde Kieberl von den Grünen und Uwe Ladstädter, Mandatar der Liste Stadt Lienz. Ihnen hatte Steiner mit seinen Worten ja quasi unterstellt, sich von der Bürgermeisterin kaufen zu lassen, um im Sinne der SPÖ abzustimmen.

„Ich erteile einen Ordnungsruf. Das ist ungeheuerlich“, so die Reaktion der Bürgermeisterin. Kieberl blieb gelassen und rief dazu auf, sachlich zu bleiben. Ladstädter forderte eine Entschuldigung, die auch kam. Seine Emotionen seien mit ihm durchgegangen, begründete Kurt Steiner. „Ich möchte mich für meine Aussage entschuldigen.“

Die Emotionen, die Steiner erwähnte, hatten den ganzen Gemeinderat im Griff. Thema war der Hauptplatz Lienz, der neu gestaltet werden soll. Der Entwurf wurde schon vorgestellt, er sieht neue Bäume, mehr Wasser und eine neue Pflasterung auf dem Platz vor. Zurzeit läuft ein Bürgerbeteiligungsprozess. Im Zuge dessen haben interessierte Lienzerinnen und Lienzer einen ganzen Stapel voll Anregungen eingebracht, schildert Blanik in der Sitzung.

Doch Ende August präsentierte der renommierte Künstler Jos Pirkner den Medien einen Gegenentwurf zu den Plänen der Stadt. Eine geschwungene Platzinsel und ein Brunnen sind die Kernpunkte. Und diesen Gegenentwurf will die ÖVP im Lienzer Gemeinderat präsentiert haben.

„Wir stellen einen Dringlichkeitsantrag, Jos Pirkner zu einer Sitzung einzuladen, damit er dem Gemeinderat seine Pläne für den Hauptplatz erläutert“, forderte Steiner in Namen der ÖVP-Fraktion. Seine Listenkollegin Verena Remler ergänzte: „Es spricht doch nichts dagegen, wenn wir uns verschiedene Vorschläge anhören.“

Die Bürgermeisterin sah das anders. Immerhin hätten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger im Rathaus Vorschläge eingereicht. „Sollen wir die auch alle in den Gemeinderat einladen? Ich schätze Jos Pirkner als außergewöhnlichen Künstler, bin aber dagegen, eine Person zu bevorzugen, auch wenn sie berühmt ist.“

Der Dringlichkeitsantrag fand keine Mehrheit, da nur die sieben ÖVP-Mandatare dafür waren. Die zehn Vertreter der SPÖ, die zwei FPÖ-Männer sowie Gerlinde Kieberl und Uwe Ladstädter stimmten dagegen.


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