FIFA-Berater wollen WM alle zwei Jahre, UEFA-Boykott droht

Die FIFA überlegt, die Fußball-Weltmeisterschaft statt alle vier Jahre künftig jedes zweite Jahr auszutragen. Die europäischen Ligen laufen dagegen Sturm.

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FIFA-Präsident Gianni Infantino (Mitte) und Direktor Arsene Wenger (Mitte, oben) bei einem Qualifikationsspiel in Katar.
© KARIM JAAFAR

Nyon – Die Technische Beratungsgruppe der FIFA schlägt offiziell die Ausrichtung der Weltmeisterschaften alle zwei Jahre vor. "Was wir vorschlagen, ist eine Neuordnung der Turniere der Konföderationen", sagte FIFA-Direktor Arsene Wenger am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Der einstige Arsenal-Trainer war zuvor in Doha mit etlichen Ex-Stars des Weltfußballs zusammengekommen. Wenger sprach von "Fußball von morgen". UEFA-Präsident Aleksander Ceferin droht indes mit Boykott.

2018 jubelte Kylian Mbappe noch mit Frankreich. Geht es nach der FIFA, soll der Bewerb künftig doppelt so oft ausgetragen werden.
© ULMER/Michael Kienzler

Dem Vorschlag zufolge sollen die Änderungen nach der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko mit erstmals 48 Nationen greifen. 2027 würden dann die Turniere der Konföderationen ausgerichtet werden, also auch die Europameisterschaft, die im jetzigen Modus erst 2028 wieder auf dem Kalender stünde. 2028 würde dann erneut eine WM gespielt werden.

Wenger aber sprach mit Überzeugung über die tiefgreifende Reform des internationalen Spielkalenders. "Was wir vorschlagen, ist eine Neuordnung der Turniere der Konföderationen", sagte der Franzose. "Du gibst mehr Mannschaften die Chance, sich zu qualifizieren, aber auch mehr Ländern die Möglichkeit, eine WM auszurichten." Der Vorschlag würde "den Fußball besser machen können". In der Technischen Beratungsgruppe sitzen etliche prominente Ex-Profis, auch die früheren Weltmeister Lothar Matthäus und Ronaldo.

UEFA könnte Turnier boykottieren

Nicht gut kam der Vorschlag in Nyon an. "Wir können entscheiden, nicht teilzunehmen", sagte Ceferin in einem Interview der britischen Times. Das sei, soweit er wisse, auch die Position der Südamerikaner. "Viel Glück mit einer solchen WM", meinte der Chef der Europäischen Fußball-Union und gab an, weiterhin zu hoffen, dass die FIFA "wieder zu Sinnen" komme. Der Vorschlag würde zwar finanziell vielleicht gut für die UEFA sein, "den Fußball aber töten".

Bisher wird die WM alle vier Jahre ausgerichtet. Der Weltverband hatte im Mai eine entsprechende Machbarkeitsstudie für das Männer-und Frauen-Turnier auf den Weg gebracht, die aus Saudi-Arabien angeregt worden war. Darauf berief sich neben Wenger auch der Brasilianer Ronaldo. 166 der insgesamt 209 stimmberechtigten Verbände waren im Mai für die Studie – die FIFA versteht das als Auftrag. "Im Tennis werden auch die Hauptturniere jedes Jahr gespielt – und die Qualität leidet darunter nicht", sagte Ronaldo. Einige afrikanische und asiatische Verbände sind für den Zweijahres-Rhythmus – in Europa regt sich dagegen Widerstand.

Ligen wollen neues Modell verhindern

Am Donnerstag verschickte der Zusammenschluss der europäischen Ligen, dem auch die österreichische Bundesliga angehört, eine deutliche Stellungnahme. "Die Ligen werden mit den anderen Interessengruppen zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass die Fußballverbände einseitige Entscheidungen treffen, die dem nationalen Fußball schaden", hieß es nach der Vorstandssitzung der European Leagues in Nyon.

Die Ligen seien "einstimmig" gegen den Vorschlag. "Neue, überarbeitete oder erweiterte Wettbewerbe (...) in einem ohnehin überfrachteten Kalender sind nicht die Lösung der Probleme unseres Spiels", hieß es. Ceferin sagte zuletzt bereits: "Mehr ist nicht immer besser."

Mit der Reform würden weitergehende Änderungen einhergehen. Wenger nannte zwei Optionen für den Kalender: Entweder gäbe es nur noch eine lange Abstellungsperiode für die Qualifikationsspiele im Oktober/November oder zwei - eine im Oktober/November und eine im März. Derzeit wird die Saison in den nationalen Ligen mehrfach unterbrochen. Auf das jüngste Quali-Fenster folgen bis zum Jahresende noch zwei weitere Anfang Oktober und Anfang November. "Wir werden nicht die Anzahl der Spiele erhöhen", betonte Wenger. (APA, dpa)


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