„Alles wird zum Entsorgungsfall“: Freudenthaler beim Zeitzeugengespräch

Bei „Zeitzeugen im Gespräch“ war Unternehmerin Ingeborg Freudenthaler zu Gast. Sie sieht das Leben pragmatisch.

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Ingeborg Freudenthaler mit Bernhard Aichner, Bernhard Triendl (ORF), LHStv. Josef Geisler und Moser-Holding-Vorstandschef Hermann Petz (v. l.).
© Böhm

Innsbruck – Leicht hatte es Bernhard Aichner mit Ingeborg Freudenthaler beim Zeitzeugengespräch am Mittwoch im Innsbrucker Haus der Musik wahrlich nicht. Die Chefin des größten Entsorgungsunternehmens in Westösterreich wusste sich auch gegen einen Starautor zu behaupten. „Nur Menschen mit Ecken und Kanten bringen im Leben etwas weiter“, meinte die 65-Jährige.

Nach einem entspannten Geplänkel über die Entsorgung einer Leiche meinte Freudenthaler auf die Frage, ob gutes Aussehen helfe, lapidar, dass es „schnell auffliege“, wenn dahinter keine Kompetenz stecke. Von ihrer Kompetenz dürfte auch ihr erster – und einziger – Chef überzeugt gewesen sein, weigerte er sich doch vier Monate lang, die Kündigung „seiner Ingeborg“, die 1991 in den Betrieb ihres Ehemanns Karl wechseln wollte, zu akzeptieren.

Meine größten Schwächen sind Ungeduld und ganz besonders Stracciatella-Eis.
Ingeborg Freudenthaler (Unternehmerin)

Das mit dem „einfach so etwas akzeptieren“ scheint generell nicht die Sache der Unternehmerin zu sein. So wurde u. a. aus einem Arztbesuch, der ganz und gar nicht nach ihrer Vorstellung verlief, 2002 „Der zufriedene Patient“, ein Buch zum Thema Qualitäts- und Praxismanagement für den niedergelassenen Arzt. „Ich wollte immer schon gestalten, darüber hab’ ich nicht viel nachgedacht. Das war einfach so“, meinte Freudenthaler auf die Frage nach ihrer Motivation. Das gelte auch für die „Tiroler Adlerrunde“, deren Gründungsmitglied sie ist. An der sei übrigens nichts „Sagenumwobenes“, das sei nur eine Runde engagierter Unternehmer, die sich als Ideenpool verstünden.

Auf die Frage nach ihrem sozialen Engagement gewährte sie auch einen ganz persönlichen Einblick. Sichtlich berührt lauschte das Publikum, als sie von der Demenzerkrankung ihres Vaters erzählte. Es sei schwer, damit umzugehen, dass ein „lieber Mensch“ plötzlich anfängt, sich völlig zu verändern. „Und dann sagte der Arzt zu mir, da sei nichts zu machen. Ich solle ihn doch nach Hall bringen“, erzählte Freudenthaler von der Hilflosigkeit, die sie damals empfand. Doch mit einem „da kann man nichts machen“ lässt sich eine Ingeborg Freudenthaler nicht abspeisen. Zuerst suchte sie andere Betroffene, begann sich zu vernetzen. Schließlich gründete sie 2006 den Verein Lichtblicke – Demenzhilfe Tirol, dessen Obfrau sie ist.

Schlussendlich sieht sie das Leben bei allem „Wollen“ aber auch recht pragmatisch. „Am Ende wird alles zum Entsorgungsfall“, wie sie im Vorfeld gegenüber Bernhard Aichner meinte. (hu)


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