Verkehrsmittel der Zukunft: Ein Sonderzug als Symbol und viele Streitpunkte

Die EU macht Werbung für die Bahn als Verkehrsmittel der Zukunft. Bis alle Potenziale ausgeschöpft werden können, ist es aber noch ein weiter Weg.

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Der Connecting Europe Express wirbt in 26 europäischen Ländern für nachhaltige Mobilität. Gestern machte der Zug am Brenner Halt.
© ÖBB/Knopp

Von Benedikt Mair

Brenner, Innsbruck – Die Verkehrswende hatte Verspätung. Mehrere Minuten nach Plan startete der Connecting Europe Express (CEE) gestern Vormittag am Brenner. Dort hatte der EU-Sonderzug auf seiner Reise durch 26 Länder haltgemacht, um als Symbol für nachhaltige Mobilität zu werben. Politiker und Bahn-Vertreter aus Italien und Österreich sowie Vertreter der Europäischen Union waren anwesend und sprachen sich unisono für eine konsequentere Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene aus.

Mit keinem anderen Transportmittel seien so viele Hoffnungen verknüpft wie mit dem Zug, sagte die Tiroler EU-Parlamentarierin Barbara Thaler. Bis sich diese erfüllen, sei es aber noch ein langer Weg. Und auf diesem „hapert es. Es gibt viele Hürden, technische und organisatorische. So viele wie möglich müssen wir eliminieren, damit die Bahn schneller, effizienter und problemlos grenzübergreifend unterwegs ist.“

Vera Fiori, Direktorin des italienischen Schienennetzbetreibers RFI, meinte, die Bahnen in Europa seien „bereit, die Herausforderungen zu meistern“. Italiens stellvertretende Ministerin für Mobilität und nachhaltige Infrastruktur, Teresa Bellanova, erklärte, dass Züge „Territorien, Menschen und ganze Kontinente verbinden können und viele Möglichkeiten schaffen“.

Damit die Potenziale der Schiene als Transportmittel für Menschen und Güter europaweit ausgeschöpft werden können, müsse noch einiges passieren, sagte Andreas Matthä, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Es gelte das System an sich zu harmonisieren. Warum, zeige auch der Connecting Europe Express, der nicht ein, sondern drei verschiedene Züge ist. Das ist notwendig, weil auf seiner 20.000 Kilometer langen Strecke unterschiedliche Spurweiten gegeben seien. „Es muss in Zukunft so einfach sein, mit dem Güterzug durch Europa zu fahren, wie jetzt bereits mit dem Lastwagen. Die Schiene ist leistungsstark, wenn sie darf“, meinte Matthä hinsichtlich der Probleme, den Güterverkehr von der Straße auf die Bahn zu verlagern. Immer wieder würden diese Bestrebungen torpediert. Besonders am Brenner sei das zu erkennen, die Hunderttausenden Transit-Lkw, die jährlich dort entlangfahren, belasteten die Bevölkerung sehr. „Hier müssen wir endlich Kostenwahrheit im Verkehr schaffen.“ Der derzeit „ungleiche Wettbewerb“ zwischen Straße und Schiene soll laut Matthä ausgeglichen werden. „Sehr stark ist die europäische Politik gefordert.“

Einen Beitrag dazu leisten möchte Pat Cox. Der EU-Koordinator für den Skandinavien-Mittelmeer-Korridor sagte, dass „die Ministerien in Rom, Berlin und Wien zusammengebracht werden müssen. Damit wir mit ihnen über all die Probleme reden können. Den Dialog braucht es.“

Für diesen bereitzustehen, kündigte auch Tirols Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe an. „Wir sind gesprächsbereit.“ Es müsse sich bei der Verkehrswende aber rasch etwas tun. „Das sind wird den Bürgern und künftigen Generationen schuldig.“

Zahlen und Fakten

100 Orte in 26 Ländern bereist der Connecting Europe Express. Insgesamt 20.000 Kilometer legt der EU-Sonderzug, der für nachhaltige Mobilität werben soll, dabei zurück.

Auf einen Rekordwert steuert heuer die Zahl der Lkw, die über den Brenner fahren, zu. Im Pandemie-Jahr 2020 gab es in diesem Bereich einen Rückgang um acht Prozent (rund 2,3 Millionen Lastwagen) im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten.


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