Eklatanter Personalmangel: 20.000 Jobs im Handel unbesetzt

Zahlreiche Branchen klagen über Personalmangel. Die Forderung nach niedrigeren Lohnnebenkosten bleibt ein Dauerbrenner.

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Der Handelsverband klagt über viel zu wenig Arbeitsplätze und einen massiven Rückgang der Bewerbungen.
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Von Anna Haselwanter

Tirol, Wien – Der Arbeitskräftemangel in Gastronomie und Tourismus ist mit bundesweit über 15.000 Stellen (Stand Ende August) auf Rekordniveau. Wie berichtet, ist der Personalmangel aktuell derart eklatant, dass Betriebe Leistungen einschränken oder ganz schließen müssen. „Die AK Tirol fordert seit Jahren bessere Löhne, geregelte Arbeitszeiten und die Einhaltung der arbeitsrechtlichen Vorgaben, mittlerweile bestätigen sogar Vertreter der Wirtschaftskammer, dass hier enormer Aufholbedarf besteht“, sagt Erwin Zangerl, Präsident der AK Tirol, zur Situation.

Forderungen, die laut den Branchenvertretern bereits erfüllt werden – die neue Generation an Unternehmern „weiß, dass die Bedingungen passen müssen“, sagt etwa Alois Rainer, Fachgruppenobmann der Gastronomie in der WK Tirol. Rainer ortet den Ursprung des Problems vor allem im demografischen Wandel und der relativ kleinen Einwohnerzahl in Tirol. „Wir sind einfach zu wenig Menschen“, sagt er und fordert einen geregelten Zuzug auf den Arbeitsmarkt. Denn der Mangel betreffe nicht nur seine Sparte.

Tirol auf Platz fünf im Bundesländerranking

Tatsächlich sieht es auch im Handel ähnlich aus, wie Zahlen des Handelverbands zeigen. Österreichweit gibt es aktuell 15.000 offene Stellen im Einzelhandel und mehr als 5000 im Großhandel. „Wir weisen schon seit Wochen darauf hin, jetzt spitzt sich der Arbeitskräftemangel im Handel dramatisch zu. Zurzeit haben wir bundesweit mehr als 20.000 offene Stellen, die nicht zeitnah besetzt werden können“, schlägt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, Alarm. Alleine in Oberösterreich sind demnach aktuell 4800 Stellen offen, Tirol liegt mit 1800 unbesetzten Positionen auf Platz fünf im Bundesländerranking.

Verschärft werde die Problematik durch die „rasant steigenden Corona-Zahlen“, heißt es weiter. Aufgrund der Kontaktbestimmungen und daraus resultierenden Quarantäneregeln „könnte es in den kommenden Wochen zu breitflächigen Personalausfällen in allen Branchen kommen“, warnt der Verband.

Um das Problem zu lösen seien, „neue Ansätze gefragt“ – aber auch die alten scheinen nicht vom Tisch: „Österreich ist bei den Lohnnebenkosten EU-weit Nachzügler. Nirgendwo in Europa zahlen Unternehmen so viel für ihre Beschäftigten, ohne dass es den Angestellten selbst bleibt“, sagt Will und fordert einmal mehr eine Senkung der Lohnnebenkosten. Der Faktor Arbeit müsse endlich entlastet werden. „Jenen, die einen Arbeitsplatz innehaben, muss mehr Netto vom Brutto bleiben“, fordert Will.


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