Nur noch ein Sieg bis zum Grand Slam: Djokovic schaltete auch Zverev aus

In einem engen Fünfsatz-Match hatte Novak Djokovic beim 4:6,6:2,6:4,4:6,6:2 gegen Alexander Zverev den längeren Atem. Jetzt kann der Serbe in vielerlei Hinsicht Tennis-Geschichte schreiben.

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Novak Djokovic greift auch beim vierten Grand Slam des Jahres nach dem Sieg.
© KENA BETANCUR

New York – Nur noch ein Sieg fehlt Novak Djokovic, um ein großes Kapitel Tennis-Geschichte zu schreiben: Der topgesetzte Serbe besiegte am Freitag bei den US Open in New York Olympiasieger Alexander Zverev nach 3:38 Stunden 4:6,6:2,6:4,4:6,6:2 und trifft im Finale am Sonntag (22.00 Uhr MESZ/live Eurosport, ServusTV) auf den Russen Daniil Medwedew. Der Kalender-Grand-Slam mit je sieben Siegen bei den vier Major-Turnieren in Australien, Frankreich, England und den USA ist zum Greifen nah.

"Ich werde an dieses Match herangehen, als wäre es mein letztes. Es ist wohl das wichtigste Match meiner Karriere", sagte Djokovic. Viel mehr wollte er schon gar nicht mehr dazu sagen. "Ich bin sicher er wird alles geben, um sein erstes Major zu gewinnen, auch werde alles, was noch im Tank ist, reinwerfen", versprach der Weltranglisten-Erste, der in Flushing Meadows auch seinen 21. Major-Titel holen und damit Roger Federer und Rafael Nadal hinter sich lassen könnte.

Djokovic hat sich das Leben schon zum vierten Mal in Folge schwerer gemacht, als er auch gegen Zverev den ersten Satz verloren hat. Doch auch diesmal ließ er sich vom Rückstand nicht vom Siegesweg abbringen. Nun ist es also Daniil Medwedew, der Djokovic als dritten männlichen "Grand Slam"-Sieger nach Donald Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969) verhindern kann.

Medewdew hatte den Kanadier Felix Auger-Aliassime mit 6:4,7:6,6:2 eliminiert. Für den 25-Jährigen ist es nach den US Open 2019 und den Australian Open zu Beginn des Jahres das dritte Grand-Slam-Finale seiner Karriere. Noch wartet er auf den ersten Triumph.

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"Ich denke nicht, dass ich mein bestes Tennis gespielt habe, aber ich bin froh, im Finale am Sonntag zu stehen", sagte Medwedew in einer ersten Reaktion auf dem Platz im Arthur Ashe Stadium.

Abwehr zweier Satzbälle als Schlüssel

Schlüssel im Spiel gegen Auger-Alissime war wohl die Abwehr zweier Satzbälle des Kanadiers beim Stand von 3:5. Danach verlor der 21-jährige Auger-Aliassime in seinem ersten Major-Halbfinale seinen Touch. "Das hat das Match umgedreht und ich glaube, er hat angefangen zu zweifeln", blickte Medwedew zurück. Nach 2:04 Stunden war die Nummer zwei des Turniers der erste Endspiel-Teilnehmer. Medwedew hat auf dem Weg dorthin nur einen Satz abgegeben.

Der Vergleich zu seinem ersten Endspiel in Flushing Meadows vor zwei Jahren gegen Rafael Nadal macht Medwedew sicher, dass es ein anderes Finale sein wird. "Ich bin ehrlich, damals war ich schon glücklich im Finale zu stehen", erinnerte er sich zurück. "Je mehr man etwas verliert, umso mehr willst du es gewinnen. Ich habe zwei Finali verloren, ich will das dritte gewinnen", gab sich Medwedew kämpferisch.

Zverev hingegen muss ein Jahr nach dem verlorenen Grand-Slam-Finale gegen den Österreicher Dominic Thiem weiter auf seinen ersten Triumph bei einem Major warten. Auch seine Serie von zuletzt 16 erfolgreichen Matches endete.

"Es war ein toller Kampf. Aber er ist nicht umsonst die Nummer 1 der Welt und das hat er heute gezeigt", meinte Zverev später zum verlorenen Hit gegen den "Djoker".

Der Mann der Stunde, nein des Jahres im Tennis-Zirkus ist aber Novak Djokovic. Er ist in der auch für ihn wohl einmaligen Situation, den "echten" Grand Slam innerhalb eines Kalenderjahres zu schaffen. Das würde ihm in der ewigen Diskussion um den "GOAT" (den Größten aller Zeiten) einen Vorsprung verschaffen, den weder Federer noch Nadal wohl noch einholen können.

Djokovic: "Der Job ist noch nicht erledigt"

Djokovic ist sich der möglichen Historie bewusst, vermeidet es aber so gut wie möglich bei den US Open zu sehr darauf einzugehen. "Der Job ist noch nicht erledigt." Djokovic erinnerte auch an Serena Williams, der 2015 vor dem US-Open-Halbfinale nur noch zwei Siege für ihren Grand Slam gefehlt hatten. Dann verlor sie sensationell gegen die Italienerin Roberta Vinci.

"Ich kann jetzt sehr gut verstehen, was sie damals durchgemacht hat", sagte Djokovic. "Ich verstehe, warum sie all die Fragen vermeiden wollte, weil du musst auf den Platz gehen und abliefern. Alle erwarten, dass du immer gewinnst." Mit ihm sei es nicht anders.

Gegen Medwedew führt Djokovic in direkten Aufeinandertreffen mit 5:3, zuletzt siegte der 34-jährige Serbe im Australian-Open-Finale mit 7:5,6:2,6:2. Ein derartiges Resultat würde am Sonntag wohl auch niemand überraschend, denn kaum einer kann mit Druck derart gut umgehen wie Djokovic. (APA)


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