Nach Wiener Schuh-Gate sind Marathon-Veranstalter gewarnt

Den Vienna City Marathon gewann nicht der Mann mit der schnellsten Zeit. Warum? Er trug Schuhe, die nicht erlaubt waren. Das wurde jedoch erst bei einer Kontrolle nach dem Lauf klar, die das Team eines anderen Läufers angestoßen hatte.

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Bei Marathons dürfen nur bestimmte Schuhe getragen werden.
© ALEX HALADA

Wien – Wien hat nicht nur den ersten großen Städtemarathon in der Corona-Pandemie durchgeführt, sondern lieferte mit der Disqualifikation des Schnellsten wegen Verstoßes gegen das Schuhreglements auch eine Weltpremiere ab. "Wir sind das weltweit erste große Rennen, das zu dieser Maßnahme greifen muss", sagte Elitekoordinator Mark Milde, der gerne darauf verzichtet hätte und aus diesem Ereignis Lehren für den Berlin-Marathon in zwei Wochen ziehen will, wo er ebenfalls engagiert ist.

Im Zuge der Diskussion um die seit ein paar Jahren anhaltenden Schuhe mit Carbonplatten in dicken Sohlen, die zu Leistungsexplosionen und einer Vielzahl an Rekorden führten, verschärfte der Leichtathletik-Weltverband World Athletics seine Regeln. Erlaubt ist eine maximale Sohlendicke von vierzig Millimetern, der Äthiopier Derara Hurisa lief in Wien mit einem Modell, das fünfzig Millimeter aufwies. Nach dem Zieleinlauf wurde das Material kontrolliert, der Athlet disqualifiziert und der Kenianer Leonard Langat zum Sieger erklärt (2:09:25 Stunden).

Am Vortag waren bei der technischen Besprechung den Athletinnen und Athleten die gültigen Regeln erklärt worden, auf einer Liste im Internet, die ständig aktualisiert wird, sind die erlaubten und nichterlaubten Schuhmodelle abrufbar. Auch wurden die Läufer darüber aufgeklärt, dass laut den Regeln Schuhe im Nachhinein vom Kampfrichter kontrolliert werden können, erklärte Milde. "Das haben die Athleten zur Kenntnis genommen. "

Auf einem Formular hatte sich Hurisa wie alle anderen Eliteläufer auch zum Einhalten der Regeln verpflichtet, es wurde von ihm von Seiten seines Managements auch ein erlaubtes Schuhmodell angegeben. Weshalb nun trotzdem ein anderes Paar an den Füßen des Ostafrikaners landete, ist noch nicht restlos geklärt. "Es ist für alle zu einem nicht schönen Ergebnis gekommen", sagte Milde, der davon ausgeht, dass der Athlet dies "nicht extra gemacht" habe, als er zum zu dick besohlten Trainingsschuh griff.

Vom Weltverband ist derzeit keine zwingende Materialkontrolle vorgeschrieben, weder vor, noch nach dem Rennen. Auf Hurisa wurde man in Wien aufmerksam, weil der Manager eines anderen Athleten (aber nicht des nachträglichen Siegers) diesbezüglich an die Rennleitung herantrat, die eine Untersuchung einleitete. Dies passierte nach Rückversicherung über die Vorgehensweise und Rechtmäßigkeit beim Österreichischen Leichtathletikverband und Alessio Punzi, dem in Wien anwesenden Road Running Manager bei World Athletics.

Es sei, erklärte Milde, nicht so leicht sichtbar, ob jemand ein regelkonformes Schuhwerk trägt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch viele Rennen geben wird, wo so etwas passiert", glaubt der Deutsche, dass nun alle Organisatoren erhöhte Aufmerksamkeit walten lassen werden. In Berlin jedenfalls werde man eine Schuhkontrolle durchführen, auch wenn das Elitefeld mit 150 Teilnehmern groß sei, meinte Milde. In der Causa Kontrollregeln ist in Zukunft sicher auch noch der Weltverband gefragt. (APA)


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