Mückstein erteilt Selbstbehalt für Ungeimpfte eine Absage

„Wo fängt das an? Wo hört das auf?“ – Gesundheitsminister Mückstein und Kassenobmann Huss wollen am Solidaritätsprinzip im Gesundheitswesen nicht rütteln.

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Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hält nichts von einem Selbstbehalt für Ungeimpfte.
© BMSGPK / Niklas Schnaubelt

Wien – Die Zahl der Corona-Impfungen stagniert. Bis zum Wochenende stieg die Zahl der Vollimmunisierten im Vergleich zur Vorwoche österreichweit gerade einmal um 55.600 oder 0,6 Prozentpunkte. 5,297.801 Menschen (59,3 Prozent der Bevölkerung) waren voll immunisiert. Weitere 300.000 Personen (3,4 Prozent) hatten zumindest eine Teilimpfung bekommen.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Infektionen und die Belegung der Spitäler und Intensivstationen nimmt zu. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Impfquote erhöht werden kann. Eine aktuelle OGM-Umfrage für den Kurier zeigt nur wenig Bereitschaft dazu: Rund drei von vier Ungeimpften (76 Prozent) wollen ihren Status nicht ändern. Elf Prozent wollen sich noch eine Impfung holen, weitere 13 Prozent überlegen noch.

Eine Idee wäre, Druck auf die Ungeimpften auszuüben, indem sie für medizinische Behandlungen zur Kasse gebeten werden. Christiane Druml, die Vorsitzende der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt, kann sich eine derartige Maßnahme grundsätzlich vorstellen.

Mückstein verweist auf Konsequenzen

Druml verweist aber auf die Politik. Und von dort kommt eine Absage. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) will diese Diskussion nicht führen. Er verweist auf die Konsequenzen solcher Überlegungen: „Wo fangen wir an? Wo hören wir auf? Was ist mit Rauchern oder Übergewichtigen?“

Auch der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Andreas Huss, warnte im „Ö1-Morgenjournal“ am Sonntag davor, „die Büchse der Pandora“ zu öffnen. Das Gesundheitssystem sehe keine Selbstbehalte für durch persönliches Verhalten herbeigeführte medizinische Behandlungen vor. Das zu ändern, „würde mir ein bisserl zu weit gehen“ – und zu weiterer Entsolidarisierung führen, verwies er darauf, dass in der Sozialversicherung das Versicherungsprinzip gilt.

Die Zahl der Impfungen stagniert, die Zahl der Corona-Patienten in den Spitälern steigt.
© Böhm

Und so wie Mückstein fragt auch Huss: „Wo fängt das an, wo hört das auf?“ Rede man über solche Selbstbehalte, werde sich auch die Frage stellen, ob etwa Raucher, die mit einem Lungenkarzinom ins Spital kommen, Selbstbehalt zahlen müssen.

Industrie bereitet Impfung für Kinder

Praktisch zur Gänze ungeimpft sind noch die Kinder unter 12 Jahren. Für sie sind die bisherigen Vakzine nicht freigegeben. Die Pharmaindustrie arbeitet aber an der Ausweitung. BioNTech/Pfizer rechnet damit, die nötigen Daten Ende September vorlegen zu können. Für die Fünf- bis Elfjährigen wird die Dosis voraussichtlich ein Drittel der Erwachsenenimpfung betragen. (APA, dpa, TT)


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