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Nobelpreisträger Joseph Stiglitz: „Das ist zutiefst verstörend“

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz meint, dass die Europäer beim Wiederaufbau nach der Pandemie zu knausrig und misstrauisch vorgehen. Er warnt vor politischer und wirtschaftlicher Kurzsichtigkeit.

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Die Welt im Griff der Pandemie. Stiglitz fordert, auch in ärmeren Ländern die Impfkampagne anzutreiben.
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Was haben die Ökonomen aus der Pandemie gelernt?

Joseph Stiglitz: Die Pandemie hat reiches Datenmaterial bereitgestellt. Daraus Schlüsse zu ziehen, ist wegen der vielen verschiedenen Dimensionen aber schwierig.

In den USA konnten wir die Hypothese testen, dass eine erweiterte Arbeitslosenversicherung vom Arbeiten abhält. Und es zeigte sich, dass der Effekt sehr gering ist.

Die Pandemie hat uns auch Einblick gewährt in die unterschiedlichen Lebensverhältnisse. Was passiert, wenn man einen Hilfs-Scheck ausstellt? Die Menschen am Fuß der sozialen Pyramide haben das Geld rasch ausgegeben, bei den Menschen an der Spitze ist die Sparquote gestiegen.

Die Reicheren haben den Scheck also nicht gebraucht …

Stiglitz: Wir leben in verschiedenen Welten – die eine auf Zoom und geschützt, die andere jeden Tag exponiert.

Die Pandemie sagt auch etwas darüber aus, wie sich unsere Gesellschaften entwickeln. Etwas, das dich so wenig kostet, wie eine Maske aufzusetzen, kann das Leben anderer Menschen schützen. Trotzdem sind viele Leute sind dazu nicht bereit. Das ist ein verstörender Mangel an sozialer Empathie.

Es heißt immer, dass die Pandemie die Ärmeren härter getroffen hat. Aber in den USA ist die Armutsrate gesunken.


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