Kein Grand Slam für Djokovic: Medwedew gewinnt die US Open

Mit seinem ersten Major-Titel im dritten Finale verhinderte Daniil Medwedew den Kalender-Grand-Slam von Novak Djokovic. Der serbische Branchenprimus verpasste zudem den 21. Major-Titel und liegt in dieser Wertung weiter gleichauf mit Rafael Nadal und Roger Federer.

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Daniil Medwedew mit der Siegertrophäe, Novak Djokovic musste sich diesmal geschlagen geben.
© KENA BETANCUR

New York – Daniil Medwedew hat den Kalender-Grand-Slam von Novak Djokovic verhindert. Der als Nummer zwei gesetzte Russe behielt am Sonntagabend im Endspiel der Tennis-US-Open gegen den topgereihten Serben mit 6:4,6:4,6:4 die Oberhand, weshalb Djokovic nach seinen Triumphen bei den Australian Open, French Open und in Wimbledon nicht auch noch das vierte Major-Turnier für sich entschied. Für Medwedew war es der erste Turniersieg auf Grand-Slam-Ebene nach zuvor zwei verlorenen Finali.

Dem 25-Jährigen gelang im Arthur Ashe Stadium in nur 2:15 Stunden die Revanche an der Nummer eins der Welt für die 5:7,2:6,2:6-Niederlage im Endspiel in Australien zu Beginn des Jahres. 2019 bei den US Open hatte er in seinem Premieren-Endspiel auf höchster Ebene gegen Rafael Nadal in fünf Sätzen verloren. Medwedew ist erst der dritte Russe nach Jewgenij Kafelnikow und Marat Safin, der über einen Major-Titel jubeln durfte und gab auf dem Weg dorthin nur einen einzigen Satz ab. "Es ist ein ganz spezieller Tag für mich", betonte der Neo-Champion im Sieger-Interview.

🎾 US Open - Herren-Finali seit 2010

  • 2010: Rafael Nadal (ESP) - Novak Djokovic (SRB) 6:4,5:7,6:4,6:2
  • 2011: Novak Djokovic (SRB) - Rafael Nadal (ESP) 6:2,6:4,6:7(3),6:1
  • 2012: Andy Murray (GBR) - Novak Djokovic (SRB) 7:6(10),7:5,2:6,3:6,6:2
  • 2013: Rafael Nadal (ESP) - Novak Djokovic (SRB) 6:2,3:6,6:4,6:1
  • 2014: Marin Cilic (CRO) - Kei Nishikori (JPN) 6:3,6:3,6:3
  • 2015: Novak Djokovic (SRB) - Roger Federer (SUI) 6:4,5:7,6:4,6:4
  • 2016: Stan Wawrinka (SUI) - Novak Djokovic (SRB) 6:7(1),6:4,7:5,6:3
  • 2017: Rafael Nadal (ESP) - Kevin Anderson (RSA) 6:3,6:3,6:4
  • 2018: Novak Djokovic (SRB) - Juan Martin Del Potro (ARG) 6:3,7:6(4),6:3
  • 2019: Rafael Nadal (ESP) - Daniil Medwedew (RUS) 7:5,6:3,5:7,4:6,6:4
  • 2020: Dominic Thiem (AUT) - Alexander Zverev (GER) 2:6,4:6,6:4,6:3,7:6(6)
  • 2021: Daniil Medwedew (RUS) - Novak Djokovic (SRB) 6:4,6:4,6:4

Djokovic verabsäumte es, nach Donald Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969) den männlichen "Grand Slam", also alle vier großen Turniere in einem Jahr zu gewinnen, einzufahren. Medwedew entschuldigte sich deshalb auch beim Serben. "Egal wie es heute ausgegangen ist, für mich bist du der größte Tennisspieler aller Zeiten", sagte Medwedew. Verwehrt blieb dem 34-Jährigen auch sein 21. Major-Titel, mit dem er seine ewigen Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal hinter sich lassen hätte können.

Djokovic gab sich als fairer Verlierer

Djokovic kämpfte schon im Finish der Partie und auch bei der Siegerehrung mit den Tränen. Das aber nicht vordergründig wegen der Niederlage. "Ich bin der glücklichste Mensch der Welt, weil mich die Leute hier so unglaublich unterstützt haben. Ich habe hier noch nie so eine Unterstützung erfahren", betonte der Branchenprimus. Der gab sich auch als fairer Verlierer. "Es war ein unglaubliches Match, wenn sich einer einen Major-Triumph verdient, dann bist es du."

📽️ Video | Die Highlights vom Finale

Medwedew brachte die Partie mit einem frühen Break gleich einmal in seine Richtung und gab diesen Vorteil mit einer sehr starken Aufschlagleistung nicht mehr her. Im zweiten Durchgang war entscheidend, dass der Ranglistenzweite seinem Gegner zum 3:2 den Aufschlag abnahm. Beim dritten Satzball von Medwedew leistete sich Djokovic einen sehr leichten Fehler. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wirkte der Favorit sichtlich angeschlagen.

Nach Breaks zum 1:0 und 3:0 schien alles klar zu sein. Bei Medwedew zitterten bei 5:2-Führung allerdings noch einmal die Nerven, so vergab er einen Matchball und verlor mit insgesamt drei Doppelfehlern auch das Game. Die zweite Chance ließ er sich dann aber nicht mehr entgehen und servierte nach einem weiteren Doppelfehler beim zweiten Matchball zum 6:4 aus. Damit verkürzte Medwedew im Head-to-Head mit Djokovic auf 4:5.

Titel Nummer 21 und damit die Alleinstellung vor Roger Federer und Nadal (ebenfalls jeweils 20) könnte dem "Djoker" schon bei den Australian Open im Jänner gelingen. Don Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969) bleiben aber wohl noch längere Zeit die beiden einzigen männlichen Spieler, die alle vier Majors im selben Kalenderjahr gewonnen haben. "Im Tennis lernt man schnell, über bittere Niederlagen hinwegzukommen", sagte Djokovic, der sechs seiner neun Finali in New York verlor. "Neue Herausforderungen kommen. Ich liebe diesen Sport noch immer und werde weitermachen, so lange ich motiviert bin."

Aus der Ferne beobachtet hat u.a. auch Thiem den Triumph seines Nachfolgers. "Was für eine Performance. Gratuliere zu deinem ersten Grand-Slam-Titel Daniil!", gratulierte der seit Kurzem 28-jährige Niederösterreicher dem Russen. Thiem wurden die 2.000 Zähler im ATP-Ranking gestrichen, er ist nun nur noch Achter und wird bis zu seinem für Jänner avisierten Comeback noch weitere rund 2.500 Punkte verlieren. In den Top 20 könnte er noch überwintern, allerdings kann er ja mit "geschütztem Ranking" (ATP-Nr. 5) wieder einsteigen.

Für Medwedew ist die Saison hingegen noch lange nicht vorbei. Der dritte russische Grand-Slam-Sieger nach Jewgenij Kafelnikow und Marat Safin hat viel Selbstvertrauen getankt. "Zu wissen, dass ich jemanden geschlagen habe, der bei Grand Slams eine 27:0-Bilanz hatte und gegen den ich in Australien noch verloren habe, und der große Geschichte schreiben wollte - das macht den Sieg noch süßer und gibt mir Selbstvertrauen für das, was noch kommt."

Und auch Medwedew hat Geschichte geschrieben: Neben Thiem ist er der erst zweite Major-Sieger der Männer, der in den 1990er-Jahren geboren wurde. Die Vorherrschaft der "big three" war zuvor seit 2009 nur von Juan Martin Del Potro (1 x), Andy Murray und Stan Wawrinka (je 3 x) und Marin Cilic (1 x) durchbrochen worden.

Am Ende soll der außergewöhnliche Jubel von Medwedew stehen. Nach dem Matchball ließ er sich auf die Seite zu Boden fallen, mit starr geöffnetem Mund: "Ich spiele gerne FIFA. Ich spiele gerne Playstation. Das nennt sich Toter-Fisch-Jubel", erklärte er später. "Jeden, den ich gesehen habe, der FIFA spielt, dachte, das war legendär. So wollte ich es machen." Am Abend war wohl eher sehr Lebhaftes angesagt: "Russen wissen wie man feiert, ich hoffe, ich komme nicht in die Nachrichten", scherzte Medwedew. (APA, dpa, TT.com)


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