Wochen der Wahrheit in Tirol für den Start ins neue Schuljahr

Bereits am ersten Schultag wurden gestern in Tirol über 100 Covid-Fälle entdeckt. Impfbereitschaft bei Lehrpersonal an Volksschulen ausbaufähig.

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Sicher auf der Straße, aber auch sicher im Klassenzimmer? Wie auch anderswo wurde gestern in Tirol zum Schulstart fleißig Covid-getestet.
© Böhm

Innsbruck – Die Corona-Dreifaltigkeit, also „Getestet, Genesen, Geimpft“, treibt im Bildungsbereich mitunter so ihre eigenen Blüten. Zumindest während der dreiwöchigen Sicherheitsphase müssen auch vollimmunisierte Schüler zum Test antreten. Also montags und freitags zum Antigen-, dienstags zum PCR-Test. Nicht so geimpfte Lehrer. Sie sind vom PCR-Test befreit. Hat das Unterrichtspersonal indes noch keinen Stich bekommen, ist ein PCR-Test verpflichtend – diesen gilt es aber nicht im Rahmen der Schülertestaktion, sondern von „auswärts“ mitzubringen.

Gestern hießen die Tiroler Schulen (und mit ihnen jene in Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Kärnten und der Steiermark) ihre Schützlinge wieder willkommen. Und da stand bereits der erste „Test“ auf dem Stundenplan. Einer, in welchem das Infektionsgeschehen nach den Sommerferien überprüft werden sollte. Und auch wenn gestern noch lange nicht alle 93.500 Schülerinnen und Schüler im Klassenzimmer saßen – in einigen AHS geht der Vollbetrieb erst morgen los –, so meldete die Bildungsdirektion gestern 97 Schüler und fünf Lehrer als „aktiv positiv“. In einem Fall wurde sogar gleich eine ganze Klasse unter Quarantäne gestellt.

Palfrader will verkürzte K1-Quarantäne

Dass K1-Schüler volle zehn Tage in Quarantäne gehen müssen – das will Bildungsminister Heinz Faßmann (VP) hinterfragt wissen. Er plädiert für ein Freitesten bereits nach fünf Tagen. Diese Forderung unterstützt auch Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP). Ansonsten wäre der von Faßmann versprochene, durchgängige Präsenzunterricht wohl nur schwer aufrechtzuerhalten. Die Gesundheitsbehörden hätten diese Frage zu lösen, so Palfrader. Das sieht auch Gesundheitslandesrätin Annette Leja ähnlich. Auch sie würde eine Verkürzung der Quarantänezeit begrüßen, wie es auf TT-Anfrage aus ihrem Büro heißt: „Letztlich wird es aber mit Blick auf die Infektionslage immer eine Einzelfallentscheidung der Gesundheitsbehörden bleiben müssen.“

Die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer sähe in einer Verkürzung kein Problem, vorausgesetzt, dass im Falle einer festgestellten Infektion alle Kinder einer Klasse für fünf Tage in Quarantäne gesteckt würden.

LT-Vizepräsidentin Stephanie Jicha (Grüne) unterstützt die Verkürzung. Sie sei „wissenschaftlich vertretbar und politisch geboten“.

Wie hoch die Anzahl jener Schüler ist, die sich nicht testen lassen wollen und daher in den „ortsungebundenen Unterricht“ (häuslicher Unterricht) zurückzuschicken sind, kann Bildungsdirektor Paul Gappmaier noch nicht sagen. Die Einverständniserklärungen würden mit Schulstart eingesammelt. Manche Eltern würden aber differenzieren wollen – also Ja zum schulischen Antigen-, aber Nein zum PCR-Test sagen. Das weiß die Bildungsdirektion zu unterbinden. Wer eine Methode ausschließe, werde als Verweigerer gewertet.

"Handlungsbedarf" im Volksschulbereich

Während der Impfstatus der Schüler über 12 Jahren noch gänzlich im Dunkeln liegt, hat sich Gappmaier über den 80-Prozent-Status bei den hiesigen Lehrern gefreut. Wenngleich dies „noch kein Grund für die Hängematte“ sei, schließlich gebe es gerade im Volksschulbereich „noch gewissen Handlungsbedarf“. Hier seien im Schnitt nur etwas über 70 Prozent des Lehrpersonals geimpft. Das Problem: Es gibt noch keine Impfung für unter 12-Jährige.

Klärungsbedarf gibt es übrigens auch bei der Schülerunion. Während die Bundesvertretung gestern den Drei-Stufen-Plan via Aussendung als transparent lobte, kritisierte der Landesverband Tirol das Corona-Konzept für Schulen als „nicht hieb- und stichfest“. (mami)


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