„Garden of Delight“ im Fotoforum: Lustgarten des Kapitalismus

Ästhetik der Dekadenz ohne Inhalt: Nick Hannes’ Aufnahmen aus Dubai zeigen Superlative und den Blick hinter die Kulissen.

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Nick Hannes fotografierte zwischen 2016 und 2018 in Dubai. Die Serie „Garden of Delight“ ist auch als Publikation erhältlich.
© N. Hannes

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Dubai ist in jeder Hinsicht Superlative. Zum Burj Khalifa als höchstem Gebäude kommt bald das größte Riesenrad der Welt dazu. Und die mit Oktober öffnende Weltausstellung verspricht auch keine Hinterhofveranstaltung zu werden. Hinzu kommen Millionen Kubikmeter Sand für künstliche Inseln, riesige Shoppingmalls. Hallen für Wintersport samt Eisbars liefern eine ideale Abwechslung zum Alltag mit menschenfeindlichen Temperaturen. Alle Sensationen der Stadt werden perfekt dokumentiert in sleeker bis protziger Instagramfotografie von unzähligen Influencern, die in Dubai ein weitestgehend steuerfreies und bikinikompatibles Leben leben. Nur Blicke hinter die Kulissen sind nicht erlaubt.

Gewagt hat sie Fotograf Nick Hannes auf insgesamt vier Reisen in die Hauptstadt des Emirats. Die Ausstellung seiner Serie „Garden of Delight“ (2016–2018) im Innsbrucker Fotoforum wird nicht umsonst mit einer Abbildung von Arbeitern auf einer Baustelle eröffnet. Für wenig Lohn und unter größtenteils menschenunwürdigen Bedingungen wird hier an den Träumen der Wohlhabenden gebaut. Von dieser Zwei-Klassen-Gesellschaft berichtet Hannes, eine Aufklärungsserie ist „Garden of Delight“ deshalb aber noch nicht. Er will alle Facetten der Metropole festhalten und viele davon strotzen eben vor Dekadenz. Neutral bleibt der Blick, auch wenn die Szenarien absurd werden, in den immergleichen Nachtclubs der Stadt mit ihrem austauschbar schönen Publikum oder auf der Straße ins Nirgendwo, die nach einer schier endlosen Geraden in die Wüste eine Kurve macht und wieder in die gleiche Richtung zurückführt.

„Garden of Delight“

Fotoforum. Adolf-Pichler-Platz 8, Innsbruck; bis 8. Oktober, Di–Fr 15–19 Uhr, Sa 10–13 Uhr.

Hannes, der aus Belgien kommt und seit 2006 vor allem dokumentarisch fotografiert, zeigt Dubai als Lustgarten des Hyperkapitalismus und Spielplatz der Globalisierung. Nach eigener Geschichte oder Tradition sucht er hier vergebens: Selbst das Beduinenzelt wird für touristische Zwecke inszeniert. Die Ästhetik der Dekadenz übersetzt Hannes in Prints in schicken Leuchtkästen. Protziger geht’s kaum. Dass hinter der edlen Oberfläche immer öfter pure Leere wartet, zeigt Hannes u. a. in seinen Porträts von High-End-Ferienwohnungen im Persischen Golf. Ähnlich inhaltsleer wirken auch die Zitate von Scheich Muhammad bin Raschid Al-Maktum und anderer Würdenträger, die Hannes in die Ausstellung sowie die Publikation seiner Serie setzt.

An Städten im Werden bleibt Hannes übrigens auch in seiner aktuellen Arbeit interessiert, seine Serie „New Cities“ ist ebenso gerade im Entstehen, erstes Ziel: Nur-Sultan, die „neue“ Hauptstadt Kasachstans.

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