Verendete Tiere in Säcken verstaut: Zwei Oberländer vor Gericht

Weil Schafe und Ziegen verhungert und verdurstet sein sollen, standen zwei Bauern am Montag in Innsbruck vor Gericht.

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Über Wochen sollen zwei Landwirte, Vater und Sohn, aus dem Oberland ihre Tiere vernachlässigt haben. (Symbolfoto)
© Böhm

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Die Tiere hatten ausreichend zu fressen, mehr als genug zu trinken, zweimal am Tag habe jemand nach ihnen gesehen. Das sagten Vater und Sohn, 57 und 24 Jahre alt, gestern am Innsbrucker Landesgericht aus. Den beiden wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, vier Schafe und zwei Ziegen vernachlässigt zu haben. Sie seien verhungert, verdurstet und qualvoll verendet.

Heuer im April meldeten Spaziergänger im Tiroler Oberland, dass es rund um einen Stall übel rieche. Polizeibeamte und der zuständige Amtsveterinär machten darin dann eine grausige Entdeckung. In zwei Jutesäcken verstaut, fanden sie sechs verwesende Kadaver. „Dass ich die nicht entfernt habe, ist auch der einzige Punkt, in dem ich schuldig bin“, meinte der 57-Jährige gestern auf der Anklagebank. „Aber sie sind im Winter verendet. Im Jänner fiel so viel Schnee, da konnten sie nicht abtransportiert, sondern mussten zwischengelagert werden. Sonst hätte ich sie schon entsorgt.“ Warum die Tiere verendet sind, konnte er nicht erklären.

Sein Sohn hingegen versuchte die Todesfälle, die „alle innerhalb einer Woche“ passiert seien, unter anderem mit einer angeblichen Bleivergiftung zu erklären. Schon bevor die Schafe und Ziegen starben, habe es auffällige Symptome gegeben. „Wir haben Futtermittel und Wasser gewechselt, alles probiert, was gegangen ist. Ich hatte brutales Mitleid mit den Tieren.“ Von der Richterin gefragt, warum er dann keinen Viehdoktor hinzugezogen habe, sagte der 24-Jährige, er habe „aus finanziellen Gründen“ davon abgesehen.

Der zuständige Amtsveterinär zeichnete im Zeugenstand ein anderes Bild. Auf eine Vergiftung deute nichts hin. Auch die Untersuchung der Kadaver durch die Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) lege nahe, dass die Tiere verhungert und verdurstet, von Parasiten befallen und ihre Klauen nie gepflegt worden seien. „Diese Tiere sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lahm gegangen, verbunden mit starken Schmerzen. Ich praktiziere seit zirka 25 Jahren. Solche Bilder habe ich vorher nicht oft gesehen“, meinte er.

Urteil wurde gestern keines gefällt. Weil die Verteidigung verlangte, weitere Zeugen zu laden, musste der Prozess vertagt werden. Weiterverhandelt wird Anfang Oktober.


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