Gericht kippt Bescheid für Kraftwerk Defereggental

Während die Gemeinden das Projekt unbeirrt realisieren wollen, fordert die WWF-Expertin Marianne Götsch das Land zum Umdenken auf.

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An der Schwarzach betreiben die Gemeinden Hopfgarten und St. Veit weiterhin den Bau des Kraftwerks Defereggental. Die Druckrohrleitung soll nun auf einer Länge von 300 Metern in der Straße verlegt werden.
© WWF/Götsch

Von Christoph Blassnig

Hopfgarten, St. Veit i. Def. – Die Projekteinreichung für das geplante Kraftwerk Defereggental, das die beiden Gemeinden Hopfgarten und St. Veit gemeinsam zu bauen beabsichtigen, weist so schwere Mängel auf, dass diese eine Realisierung unmöglich machen – das hat das Landesverwaltungsgericht (LVwG) festgestellt und damit einer Beschwerde der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) stattgegeben. Die Tiroler WWF-Gewässerschutzexpertin Marianne Götsch sieht sich in ihrer Kritik nicht nur an diesem umstrittenen Kraftwerksvorhaben bestätigt: „Das belegt einmal mehr, dass vor allem mangelhaft geplante Entwürfe und unzureichende Ermittlungen von Behördenseite für die Verfahrensdauer von Großprojekten verantwortlich sind.“

Das Gericht wird in seiner Begründung deutlich: Die Projektbetreiber hätten eine Planung vorgelegt, die tatsächlich gar nicht realisierbar sei. Außerdem habe die zuständige Behörde „offensichtlich absichtlich die Ermittlungen betreffend eine alternative Trassenführung gänzlich unterlassen, damit diese Ermittlungen dann durch das Verwaltungsgericht durchgeführt werden“.

Marianne Götsch mahnt die Behörden: „Das Land Tirol muss den Gewässerschutz endlich wieder ernst nehmen. Ein nicht realisierbares Projekt einfach durchzuwinken, ist in höchstem Maße absurd. Das gilt auch für das Kraftwerk Kalserbach, das vor Kurzem ein vernichtendes naturschutzfachliches Gutachten ausgefasst hat.“ Das Kraftwerk Defereggental sei nur eines von sechs Kraftwerksvorhaben, die derzeit die Isel und ihre Zubringer bedrohen würden – darunter auch das Kraftwerk Lesachbach, bei dem „eine Genehmigung trotz eindeutiger Verletzung des Verschlechterungsverbots“ per Weisung durch den Landesrat Josef Geisler (ÖVP) erteilt worden ist.

Laut Franz Hopfgartner, dem Bürgermeister von Hopfgarten i. Def., bleiben die Gemeinden auf Kurs: „Wir bringen bis November einen Abänderungsplan ein und verlegen die Druckrohrleitung in Abstimmung mit der Landesstraßenverwaltung auf einer Länge von 300 Metern in der Straße.“ Die in Bau befindlichen neuen Lawinengalerien seien entgegen den Darstellungen des WWF nie betroffen gewesen. Die Rohrleitung soll später gänzlich im Unterbau für den neuen Radweg ins Tal verschwinden.

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