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Zwei Belarus-Aktivistinnen im Interview: Für die Freiheit, gehört zu werden

Die Proteste nach der Wahl in Belarus im vergangenen Sommer wurden von Präsident Alexander Lukaschenko brutal unterdrückt. Zwei Aktivistinnen erklären, wie der Widerstand nun weitergeht.

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Alexandra Logvinova (l.) arbeitet im Büro der Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja im Exil. Rufina Bazlova (r.) ist Künstlerin.
© Kristen

Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sagte im Februar, man habe "die Straße verloren". Man könnte meinen, die Proteste seien gescheitert. Was ist seitdem passiert?

Alexandra Logvinova: Das Zitat wurde aus dem Kontext gerissen. Die Straße ist nicht verloren. Das Problem ist, dass man von außen oft nur die lautstarken Demonstrationen wahrnimmt. Nur wenn keine Proteste stattfinden heißt das nicht, dass es keinen Widerstand gibt. Im Winter wurde der Druck nur so groß, dass es fast unmöglich wurde, an den Demonstrationen teilzunehmen. Bis zum Winter wurde man als Demonstrant nach einer Festnahme nur einige Tage festgehalten und musste Strafe zahlen. Ab dann wurde es jedoch zu einem strafrechtlichen Vergehen. Für Demonstrationen muss man nun fünf Jahre ins Gefängnis. Der Widerstand geht nun vom Untergrund aus. Wir stehen im ständigen Kontakt mit allen Gruppen im Inland. Es gibt viele und sie sind überall.

Mit Demokratisierung wird oftmals nur das Recht zu wählen verbunden. Was bedeutet das für Sie? Wofür kämpfen Sie?

Rufina Bazlova: Für Gerechtigkeit, für Menschenrechte. Dafür, dass jede Stimme aus der Gesellschaft gehört wird. Für die Freiheit, gehört zu werden. Als Künstlerin auch für das Recht, frei darin zu sein, was man zeigen und machen darf.


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