„Dune“ im Kino: Der Auftakt fürs große Abenteuer

Große Namen, staubige Stimmung: Denis Villeneuve hat Frank Herberts kanonischen Sci-Fi-Klassiker „Dune“ verfilmt.

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Überlebenskampf auf dem Wüstenplaneten: Josh Brolin und Timothée Chalamet in „Dune“.
© Warner

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Sein „Duniverse“ werde ein „Star Wars für Erwachsene“. Mit diesem Mission Statement traut sich Regisseur Denis Villeneuve an die Adaption von „Dune“. Der Roman von Frank Herbert musste diesen Vergleich schon oft aushalten, obwohl er 12 Jahre vor Georg Lucas’ Weltraum-Märchen erschienen ist. Die Erwartungen an Meister-Handwerker Villeneuve („Sicario“, „Arrival“) waren hoch, vor allem, nachdem ihm bereits mit „Blade Runner 2049“ eine überzeugende Neuinterpretation eines kanonischen Science-Fiction-Films gelungen ist. Und so viel ist klar: Gescheitert ist Villeneuve an der oft als unverfilmbar bezeichneten Vorlage (noch) nicht.

Mehrmals schon hatten sich visionäre Regisseure daran versucht. Nach einem kurzen Zwischenspiel von Ridley Scott drehte David Lynch 1984 seinen „Dune: Der Wüstenplanet“. Bei einer von den Produzenten verstümmelten Version ließ er dann sogar seinen Namen entfernen. Mittlerweile wird Lynchs nur 137 Minuten langer Kinofilm als schräges Wagnis wertgeschätzt. Anders erging es Alejandro Jodorowsky bei seinem kolossal gescheiterten megalomanischen Versuch, mit Namen wie Orson Welles, Salvador Dalí und Mick Jagger als Schauspieler, Musik von Pink Floyd und Designs von Moebius und H. R. Giger. Der Dokumentarfilm „Jodorowsky’s Dune“ von 2013 zeichnet dieses einflussreiche Scheitern nach und lässt Jodorowsky sein nie gedrehtes Meisterwerk präsentieren.

Was heute ohne Weiteres als Endlos-Serie oder eben lukratives Blockbuster-Kino-Epos machbar ist, scheiterte in den 70ern und 80ern an der epischen Dimension des Stoffes. Doch in der Ära von „Herr der Ringe“ und Marvel-Universum kann Villeneuves neuer „Dune“ jetzt in die Vollen gehen. Der beim Filmfestival von Venedig erstmals präsentierte Film ist nur Teil eins eines Doppels, das ursprünglich gleich zusammen gedreht werden sollte. Die Bestätigung einer Fortsetzung steht allerdings noch aus. Ohne einen zweiten Teil hängt die Story von „Dune“ eher unbefriedigend in der Luft. Sie dreht sich um Paul Atreides (Timothée Chalamet als Luke-Skywalker-Figur), der mit seinem Vater, dem Duke Leto Atreides (Oscar Isaac), auf den Wüstenplaneten Arrakis kommt, um dort die wertvolle bewusstseinserweiternde Substanz Spice abzubauen. In einem feudalen Zukunfts-Universum, regiert vom Imperator Shaddam IV, entspinnt sich ein brutales Intrigen-Spiel, das eher an „Game of Thrones“ denn an den „Krieg der Sterne“ erinnert. Die Leinwand wird bevölkert von einem All-Star-Ensemble, wie es sich für ein Abenteuer-Epos gehört: mit Rebecca Ferguson, Jason Momoa und Josh Brolin auf der guten, Stellan Skarsgård, Dave Bautista und Charlotte Rampling auf der unguten Seite.

Ein Merkmal der Buchvorlage kommt auch dem Film zugute: Computer sind in diesem Zukunftsentwurf verboten und der Wüstenplanet ist voller archaischer Naturgewalten. Das Augenmerk liegt also auf den Menschen, ihren Machtspielen und Überlebenskämpfen samt topaktuellen ökologischen und antikolonialen Motiven. Vor allem in den Wüsten-Szenen mit dem Volk der Fremen kommen auch arabische Motive und filmische Anklänge von „Lawrence of Arabia“ auf. Javier Bardem spielt seinen Fremen-Führer ein wenig wie einst Anthony Quinn seinen Shaikh. Im neuen „Dune“ mischen aber Gott sei Dank auch Frauen mit. Zendaya, deren Fremen-Figur bis zum Schluss nur in einigen bedeutungsvollen Visionen des jungen Paul präsentiert wird, spielt eine davon.

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Mit 156 Filmminuten hat Villeneuve eine atmosphärische und spannende Exposition vorgelegt, im 3D-IMAX-Format großartig groß und visuell stimmig. Damit baut „Dune“ vor allem viel staubige Vorfreude auf. Das wirkliche Wüstenabenteuer für Erwachsene steht aber noch aus.

Dune. Ab 12 Jahren. Ab Donnerstag im Kino.


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