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Schutz vor narzisstischem Missbrauch: „Wir retten buchstäblich Leben“

Immer mehr Menschen leiden unter narzisstischem Missbrauch. Gesundheitswissenschafterin Christine Merzeder weiß aus eigener Erfahrung, wie man sich vor toxischen Beziehungen schützen kann.

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Mittels Manipulationen, Lügen, extremer Kontrolle und Gewalt versucht ein krankhafter Narzisst – männlich oder weiblich – den Partner zu beherrschen.
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Was ist ein Narzisst?

Christine Merzeder: Ein Narzisst gibt sich nach außen hin großartig. Tatsächlich hat er jedoch keinen Selbstwert, ist klein und fühlt sich leer. Aus diesen Gründen holt er sich seine Energie von anderen Menschen, saugt sie emotional aus. Oft so lange, bis diese krank werden, Selbstmord begehen oder an Erschöpfung sterben. Dann zieht ein Narzisst emotionslos weiter und sucht sich seine nächste „Blüte“ zum Aussaugen.

Was sind die Kennzeichen narzisstischen Missbrauchs?

Merzeder: Viele Menschen geraten im Laufe ihres Lebens in narzisstische, sprich toxische Beziehungen, sei es im Privat- oder Berufsleben. Diese sind geprägt von Manipulation, Schuldzuweisungen sowie Entwertungen und erfolgen im „narzisstischen Kreislauf“. Das heißt, der Ablauf einer solchen Beziehung folgt überall auf der Welt einem ähnlichen Muster. Weil Betroffenen das Wissen darüber fehlt, können sie in der Regel nicht einordnen, was da mit ihnen geschieht.

Welche Phasen gibt es da?

Merzeder: Am Beginn der Beziehung gibt sich der Narzisst als Traumprinz, der seinem Gegenüber die Welt zu Füßen legt. Kaum hat er es emotional „gewonnen“, kommt es zu immer wiederkehrenden Erschütterungen. Der Kreislauf von Kränkung, Abwertung und Schuldzuweisung beginnt. Droht der Partner mit Beziehungsabbruch, folgen großartige Entschuldigungen und Versprechen vonseiten des Narzissten, er werde sich ändern. Der Partner ist irritiert, lenkt in der Regel aber ein und bemüht sich, die traumhafte Phase des Anfangs wiederherzustellen. „Schön“ wird die Beziehung dann immer wieder nur für kurze Zeit, bis der Narzisst wieder mit seinen Herabwürdigungen beginnt. Je öfter sich dieser Kreislauf wiederholt, desto fester ist die Verstrickung – bis hin zur Abhängigkeit. Dann ist der Partner oft schon völlig ausgelaugt, erstarrt oder krank und hat nicht mehr die Kraft, sich vom Peiniger zu lösen.

Wie reagieren Angehörige?


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