Chaos bei Auswertung der Schüler-PCR-Tests in Tirol

Land erhielt erst gestern Nachmittag Ergebnisse der 21 positiven Tests. Platter und Palfrader sauer.

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„Alles spült“ funktioniert in den Schulen nicht zufriedenstellend. Die Testergebnisse kommen deutlich verspätet.
© APA/Punz

Innsbruck – Das ist wohl nicht im Sinne des Erfinders: Dreimal pro Woche werden die Schüler getestet, einmal müssen sie einen PCR-Test absolvieren. Für den PCR-Test ist das Salzburger Labor Novogenia zuständig, die Vergabe erfolgte durch das Bildungsministerium. Eigentlich hätten die Ergebnisse der PCR-Auswertungen bereits um 7 Uhr am Morgen vorliegen sollen, doch das war nicht der Fall. Erst im Laufe des Tages tröpfelten in den heimischen Schulen die Auswertungen herein, erst am Nachmittag wurde das Corona-Zentrum in Tirol mit 21 positiven Testergebnissen konfrontiert.

„Was nützen uns die 93 Prozent negativen Tests, wir benötigen die positiven Fälle, damit wir mit der Kontaktnachverfolgung und der Absonderung der Betroffenen beginnen können“, sagt der Leiter des Corona-Krisenstabs in Tirol, Elmar Rizzoli. Es könne doch nicht sein, dass möglicherweise ein infizierter Schüler noch den gesamten gestrigen Vormittag in der Klasse gesessen sei. In Tirol gab es schlussendlich 21 positive Ergebnisse bei 76.000 Proben.

Jedenfalls laufen seit Dienstagabend die Telefone zwischen Innsbruck, Salzburg und dem Bildungsministerium heiß. Von technischen Problemen sei die Rede, heißt es im Land. Trotzdem: Wie aus dem Land verlautet, sollen Landeshauptmann Günther Platter (VP) und Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) mehr als sauer sein und ihren Unmut deutlich gegenüber Wien kundgetan haben. Das Land erwarte sich nämlich eine reibungslose Abwicklung, das müsse nächste Woche gewährleistet sein.

Tirol war allerdings nicht alleine von den Start-Problemen betroffen. Auch die Bundesländer Salzburg und Kärnten meldeten am Mittwoch Schwierigkeiten beim „Alles spült“-Programm des Bildungsministeriums. Diese Woche sind an den Schulen bisher 247 PCR-Tests positiv ausgefallen. Die meisten waren es an den Wiener Volksschulen mit 99, in Niederösterreich 77 und in Salzburg 31. (pn)

Intensiv-Auslastung steigt

In Österreich sind innerhalb von 24 Stunden 2624 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Das ist der höchste Wert seit fünf Monaten, als am 15. April 2678 Fälle hinzukamen. In Tirol schwankt die Zahl der Neuansteckungen. Mittwoch wurden 110 neue Corona-Fälle gemeldet. 52 Erkrankte müssen derzeit in den Spitälern behandelt werden, davon acht intensivmedizinisch. Österreichweit liegen 825 Corona-Patienten in den Krankenhäusern, davon 198 auf den Intensivstationen.

Die Experten des Covid-Prognose-Konsortiums gehen indessen von einem „signifikant“ steigenden Bettenbelag auf Intensivstationen mit Corona-Infizierten in den kommenden zwei Wochen aus. Österreichweit wird ein Zuwachs von 9,8 auf 15,9 Prozent erwartet. Das sind 326 schwerstkranke Covid-Patienten und übersteigt somit die von der Corona-Kommission definierte Grenze zum mittleren Systemrisiko.

Im Burgenland, in Vorarlberg, Wien sowie in Nieder- und Oberösterreich könne im Worst-Case-Szenario ein Überschreiten der 33-Prozent-Marke nicht ausgeschlossen werden, warnten die Modellrechner. Die Fallprognose für die kommenden sieben Tage geht von einem steigenden Trend bei Neuinfektionen und rund 2500 Fällen pro Tag aus. (TT)


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