Haitis Krise spitzt sich nach neuen Beweisen im Mordfall Moise zu

Laut Staatsanwaltschaft zeigen Aufzeichnungen, dass Ministerpräsident Ariel Henry in der Nacht vom 7. Juli, in der Moise ermordet wurde, gegen vier Uhr morgens zwei Mal mit einem der Hauptverdächtigen telefoniert hat.

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Was hat der haitianische Premier Ariel Henry mit der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moise zu tun? Er ist zumindest im Visier der Ermittler.
© Reginald LOUISSAINT JR / AFP

Port-au-Prince – In Haiti verschärft sich nach neuen Erkenntnissen im Fall des ermordeten Präsidenten Jovenel Moise die politische Krise. Generalsekretär des Ministerrats, Renald Luberice, erklärte am Mittwoch seinen Rücktritt. Er könne einem Ministerpräsidenten, der im Zusammenhang mit der Ermordung von Moise unter Verdacht stehe, nicht dienen, sagte Luberice.

Laut Staatsanwaltschaft zeigen Aufzeichnungen, dass Ministerpräsident Ariel Henry in der Nacht vom 7. Juli, in der Moise ermordet wurde, gegen vier Uhr morgens zwei Mal mit einem der Hauptverdächtigen telefoniert habe.

Henry ersetzte ebenfalls am Mittwoch den bisherigen Justizminister Rockfeller Vincent durch Innenminister Liszt Quitel, der beide Ressorts übernehmen wird, wie aus dem haitianischen Amtsblatt hervorgeht. Bereits am Dienstag hatte Henry den Generalstaatsanwalt abgelöst, der ihn aufgrund der neuen Beweislage als Verdächtigen anklagen und ihm eine Ausreise untersagen wollte. Henry bestreitet jegliche Verwicklung in den Mord, hat sich aber bisher nicht direkt zu den Telefonaten geäußert.

Moise war seit 2017 im Amt und regierte seit mehr als einem Jahr per Erlass, weil die Ausrichtung einer Wahl scheiterte. Die Opposition warf dem 53-Jährigen Korruption vor, es kam zu Massenprotesten. Moise hat die Anschuldigungen stets bestritten und auf eine Verfassungsreform gedrungen, mit der er nach eigenen Angaben für mehr Stabilität sorgen wollte. Seine Gegner sahen darin den Versuch, eine Diktatur zu errichten. Nach Angaben der haitianischen Behörden wurde Moise von ausländischen Profi-Killern getötet. (APA/Reuters)

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