Frauenpower in zwei Außerferner Zwerggemeinden

Gramais, mit 40 Einwohnern kleinste Gemeinde Österreichs, könnte bald eine Bürgermeisterin bekommen. Gleiches gilt für das doppelt so große Pfafflar.

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Stefanie Krabacher (l., Gramais) und Petra Krabacher (Pfafflar) wollen den Schritt zur Bürgermeisterin wagen. Sie stellen sich der Wahl.
© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte, Gramais, Pfafflar – Mittwochabend ging in der Kleinkunstbühne Kellerei in Reutte eine Podiumsdiskussion über die Bühne, die der Frage nachging, wie zeitgemäß das kommunalpolitische System in Tirol noch ist und was Menschen dazu bewegt, Verantwortung für die Gemeinde zu übernehmen. Am Podium saßen auch zwei Frauen, die jeweils für sich eine große Lebensentscheidung getroffen haben. Sie wollen Bürgermeisterin in ihren Gemeinden werden. Zudem speziell: Sie werden Minigemeinden vorstehen.

Gramais ist mit 41 Bewohnern die kleinste Kommune Österreichs. Stefanie Krabacher wird dort antreten. Damit haben die Gramaiser und Gramaiserinnen seit zwölf Jahren erstmals wieder die Möglichkeit einer (Kommunal-)Wahl. 2016 war sie ausgefallen, weil sich niemand im Ort beworben hatte oder weitermachen wollte. Gemeinderat und Bürgermeisteramt wurden daher behördlicherseits einfach fortgeschrieben. BM Michael Fasser wird diesmal aber definitiv nicht mehr zur Verfügung stehen. „Es besteht ja auch die reelle Gefahr, dass es bei einer weiteren Nichtwahl in Gramais zu einer Eingemeindung unseres Ortes kommen könnte. Das möchte ich verhindern“, nennt die 36-jährige Mutter von zwei Kleinkindern einen ihrer Beweggründe. Noch ist Stefanie Krabacher nicht gewählt, aber eine Gegenliste dürfte bei 41 Einwohnern doch recht unwahrscheinlich sein.

Nur einen tiefen Einschnitt in den Lechtaler Alpen weiter, im Bschlaber Tal, stellt sich Petra Krabacher der Wahl. Bürgermeister Bernd Huber macht dort ebenso nicht mehr weiter. Auch die 47-Jährige möchte durch ihr Antreten die Eigenständigkeit der politischen Gemeinde Pfafflar, die gerade einmal 105 Einwohner zählt, absichern helfen. Sehr ermutigend sei der Zuspruch im Ort. Sie sei gefragt worden, ob sie es nicht probieren möchte. Das habe sie sehr gefreut. Ähnliches erzählt auch die nachnamensgleiche Stefanie aus Gramais.

Bei der REA-Veranstaltungsreihe zu Demokratie erklärte Reuttes Bürgermeister Günter Salchner – nach dem Referat des Innsbrucker Politikwissenschafters Philipp Umek über die Besonderheiten des Tiroler Gemeindewahlrechts –, dass viel Ausgleich notwendig sei, denn in Kleingemeinden würden die Dorfchefs und -chefinnen „angesichts der unglaublich komplexen Aufgabe“ viel zu wenig verdienen. Sie müssten sich zudem selbst sozial- und pensionsversichern. Gewiss kein Anreiz, sich zur öffentlichen Person zu machen.

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Eine weitere Umverteilungsforderung Salchners – die Kommunalsteuer. So hätte Breitenwang, wo Plansee den Firmensitz habe, im Jahr 2020 genau 2231 Euro pro Person bekommen. Ohne irgendeine zentralörtliche Aufgabe erfüllen zu müssen. Pflach, im gleichen Talkessel gelegen, musste mit 147 Euro das Auslangen finden.


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