Fröhliches Gewimmel: Jakup Ferris bunte Fantasiewelt im Kunstraum

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Von kosovarischen Frauen gestickter Entwurf von Jakup Ferri.
© Ferri

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Mit dem Bekenntnis, er sei ein völlig unpolitischer Künstler, nimmt Jakup Ferri dem Erforscher seiner bunten Bildwelten sofort den Wind aus den Segeln, der da vielleicht fröhlich verpackte Zeit- oder Gesellschaftskritik orten möchte. Der Kosovare, der heute in seiner Heimat sowie in den Niederlanden lebt, ist ein langjähriger Bekannter von Ivana Marjanović, die dem 40-Jährigen in „ihrem“ Kunstraum seine erste Personale im deutschsprachigen Raum widmet.

Es ist eine skurril-fantastische Gegenwelt zur realen, in die sich Ferri malend katapultiert. In der sich Akrobaten abenteuerlich verbiegen, es aus blauen Wölkchen poetisch in gläserne Gefäße tröpfelt oder man fast die Musik zu hören glaubt, die Jazzer ihren Instrumenten entlocken. Fast wie Wimmelbilder kommen viele dieser in naiver Plakativität in Öl auf Leinwand gemalten Szenarien daher, wenn Ferri etwa die Silhouette einer Amsterdamer Häuserzeile bei Nacht porträtiert, um den Menschen beim Kochen, Spielen oder Schlafen zuzuschauen. Dass in dieser hybriden Welt das ganze Leben ein Fest ist, darf wohl als sehr spezielle Art des Protest gegen die herrschenden Zustände in Ferris Heimat gedeutet werden.

Als ursprünglich vom Video herkommender Künstler sei er bald zu seiner ersten Liebe, der Malerei, zurückgekehrt, so Ferri. Der seine Entwürfe allerdings gern der Transformation durch stickende oder webende kosovarische Frauen überlässt. Wodurch das Erzählte fast zum in der Fläche ausgebreiteten Muster mit durchaus volkskünstlerischen Zügen wird. Von der digitalen Ästhetik inspiriert sind dagegen seine Teppiche, deren Spiel mit geometrischen Formen und klaren Farben unmissverständlich vorführt, dass ihr Erfinder die Ästhetik etwa eines Piet Mondrian sehr mag.

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