Qualitätskontrolle bei dualer Ausbildung für ÖGB zu gering

Der ÖGB schlägt verschiedene Lösungen vor, um dem Mangel an Lehrlingen entgegenzuwirken.

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Viele Betriebe klagen über zu wenige InteressentInnen für ihre freien Lehrstellen.
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Innsbruck – Im Zuge der aktuellen Lehrlingsdebatte hat sich nun auch der ÖGB zu Wort gemeldet. Die Gewerkschaft fordert eine höhere Lehrlingsentschädigung, leistbare Mobilität sowie die Einrichtung eines unabhängigen Jugend- und Lehrlingsinspektorats. „Um die Lehre attraktiver und auch zukunftsfit zu machen, braucht es vor allem eine gute Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern in Tirol“, betont ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth.

Ein Problem sei, dass die Ausbildungsqualität derzeit definitiv zu kurz komme, meint Wohlgemuth. Jede schulische Ausbildung müsse sich regelmäßigen Qualitätskontrollen unterziehen, die Lehrlingsausbildung nicht. Ein unabhängiges Lehrlingsinspektorat wäre auch wichtig, um unter anderem die Einhaltung aller Schutzbestimmungen wie Arbeits- und Ruhezeiten sicherzustellen.

Grundsätzlich sei die duale Ausbildung in Österreich sehr gut. „Leider ist in den Köpfen vieler Jugendlicher, aber auch der Eltern die Lehre mit einem weniger guten Image verknüpft“, so der ÖGB-Chef. Und hier gebe es sicher viel Potenzial. Eine Möglichkeit sei die Etablierung eines trialen Systems. Das bedeute, die Lehrausbildung wird aufgeteilt auf Berufsschule, fachliches Ausbildungszentrum und den Betrieb. So könnten alle Ausbildungsinhalte optimal abgedeckt werden. Zudem müssten die Rahmenbedingungen für die Lehre mit Matura verbessert werden. Der ÖGB schlägt unter anderem einen Rechtsanspruch auf die gebührenfreie Vorbereitung bzw. auf das Ablegen der Berufsreifeprüfung auch an den Berufsschulen nach der Lehrabschlussprüfung vor.

Ein weiteres Problemfeld sei die Berufsorientierung. Jugendliche (bzw. deren Eltern) müssten bereits in einem sehr jungen Alter entscheiden, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen. Dabei entstehe bei vielen der Eindruck einer Entweder/Oder-Entscheidung. „Viele Jugendliche landen dabei sehr oft im falschen Beruf“, so Wohlgemuth. Deswegen müsse man viel früher als jetzt damit beginnen, die Jugendlichen zu informieren, und sie „spielerisch“ an die verschiedensten Berufe heranführen. Das und die verstärkte Durchgängigkeit würden auch das Image der dualen Ausbildung stärken.

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Ein wichtiger Punkt sei auch die Lehrabschlussprüfung, die jeder vierte Lehrling nicht beim ersten Mal schaffe. „Da der Prüfungsstoff sehr umfangreich ist, wären freiwillige Zwischenprüfungen mit Sicherheit sehr hilfreich“, meint Wohlgemut. Daher sollen Lehrlinge die Möglichkeit haben, nach jedem Lehrjahr ihr Wissen zu überprüfen. Das Ergebnis sollte bei der Lehrabschlussprüfung angerechnet werden.

Das Ziel müsse sein, dass sämtliche Jugendliche in Tirol die Möglichkeit haben, den gewünschten Lehrberuf auszuüben. Das würde nicht nur den Jugendlichen helfen, sondern auch der Wirtschaft, denn zufriedene und glückliche Arbeitnehmer seien die produktivsten Arbeitnehmer. (hu)


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