Bilder von Albrecht Fuchs: Fotograf als Künstlersammler

Das Porträt im Fokus: Die Galerie Thoman zeigt erstmals Fotos von Albrecht Fuchs.

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Heimo Zobernig wurde von Fuchs vor Kurzem mitten in Wien abgelichtet. Zu sehen ist die Aufnahme derzeit in der Galerie Thoman.
© Fuchs

Innsbruck – John Baldessari, Gerhard Richter, Isabelle Huppert, Elizabeth Peyton, Paul McCarthy – sie alle haben sich für die aktuelle Ausstellung bei den Thomans in Innsbruck eingefunden. Nicht mit ihren (künstlerischen) Arbeiten, sondern als KünstlerInnen. In fesselnden Porträts, abgelichtet von Albrecht Fuchs, entweder in ihrem eigenen Zuhause oder dem Wirkungsort im Atelier. Der vor eineinhalb Jahren verstorbene Baldessari empfing den Fotografen auf seiner Couch für das Mittagsschläfchen. Fuchs hatte sie alle vor der Linse. Die Galerie Thoman widmet dem deutschen Künstler die erste Soloausstellung in Innsbruck.

Seit 1989 setzt sich Fuchs bereits intensiv mit dem fotografischen Porträt auseinander. Dazu lichtet er ab, wer ihm gerade nahesteht, wen er eine Zeitlang begleitet. Begonnen hatte alles mit Martin Kippenberger, den er Anfang der Neunziger anlässlich des Projekts Metro-Net, ein weltumspannendes fiktives U-Bahn-Netz, für das Kippenberger Eingänge ins Nirgendwo bauen ließ, bis ins kanadische Dawson folgte. Eine besondere Sogwirkung haben die Porträts des ziemlich ausgebrannten Kippenberger 1995 in einem Kölner Hotelbett. In St. Georgen verweigert das zwei Jahre später verstorbene Enfant terrible Fuchs den sonst so fixierenden Blick in die Kamera.

Wie auch Heimo Zobernig (siehe Bild), der in seinem Porträt den Blick lieber einmal weit über die Stadtlandschaft von Wien schweifen lässt. Zobernig gehört zu den jüngsten Zugängen in Fuchs’ Künstlersammlung – geschossen vor wenigen Monaten. Seit Fuchs 2017 gemeinsam mit Johannes Wohnseifer und Alexandra Bircken bei der Wien Dependance in der Galerie Thoman zur Ausstellung geladen wurde, finden sich ständig mehr heimische KünstlerInnen unter den Porträtierten. Florentina Holzinger lichtete er noch kurz vor einer ihrer Performances an der Bühnentür im Tanzquartier ab. Ashley Hans Scheirl trifft Fuchs inmitten von Arbeiten im Atelier. Eingang gefunden in die Porträtserie haben auch Carmen Brucic, Thomas Feuerstein oder Herbert Brandl, die selbst schon öfters mit ihren Arbeiten in der Galerie Thoman zu sehen waren.

In den Kontext passt natürlich auch, dass Galerist Maximilian Thoman der Fuchs’schen Porträtserie in der Innsbrucker Ausstellung noch einige der Arbeiten der abgebildeten KünstlerInnen gegenüberstellt. Ein Passstück von Franz West (auch er empfing Fuchs 2003 liegend) gesellt sich zur zarten Gouache von Raymond Pettibon. Unverkäuflich bleibt aber Paul McCarthys „Chocolate Santa“, ein ansehnlicher Zwerg mit Analplug in der Hand, von dem nur noch ein Häufchen Elend übrig blieb. Das süße Stück ist geschmolzen. McCarthys Sinn für Skurrile wird auch in seinem Porträt transportiert. Inmitten seiner überlebensgroßen Figuren geht er selbst fast unter.

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Künstlich inszeniert wirken Fuchs’ Porträts dabei nie. Es sind die Aufnahmen eines Begleiters. Und in der Gesamtheit entsteht das beeindruckende bildnerische Tagebuch keines Kunst-, aber eines Künstlersammlers. (bunt)


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