Streit im Entführungsfall Eitan: Tante in Israel will Buben adoptieren

Nach dem tragischen Seilbahnunglück im Piemont zerren die Verwandten weiter an dem einzigen Überlebenden, dem sechjährigen Eitan. Während dem Großvater in Israel Entführung vorgeworfen wird, streiten sowohl die Tante mütterlicherseits als auch die Tante väterlicherseits, wo das Kind aufwachsen soll.

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14 Personen starben bei dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore, nur der heute sechsjährige Eitan überlebte. Er wurde bei dem tragischen Unglück zum Vollwaisen.
© Handout / Vigili del Fuoco / AFP

Rom/Tel Aviv – Im mutmaßlichen Entführungsfall um den kleinen Eitan, den einzigen Überlebenden der Seilbahn-Katastrophe vom Lago Maggiore, ist ein massiver Streit um die Adoption des Buben ausgebrochen. Gali Peleg, die in Israel lebende Tante mütterlicherseits des Kindes, erklärte, sie wolle Eitan adoptieren. Pelegs Eltern werden in Italien verdächtigt, Eitan seiner in der Lombardei lebenden Tante väterlicher Seite entzogen zu haben, um ihn nach Israel zu "entführen".

"Ich möchte Eitan adoptieren und ihn wie meinen eigenen Sohn aufziehen. Meine Schwester war auch meine beste Freundin. Eitan ist das Wichtigste für mich, das Einzige, was für mich und meine Familie zählt. Ich werde alles für ihn tun. Wir werden alles tun", so die 29-jährige Peleg im Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Montagsausgabe).

"Ich hoffe, es gelingt uns, eine Art Einigung mit dem anderen Teil der Familie zu erzielen. Wir wollen zeigen, dass es für Eitan besser ist, hier in Israel zu bleiben, so wie es seine Eltern wollten, denn sie haben ihm immer gesagt, dass sie bald nach Israel zurückkehren würden", so Peleg.

Streit unter Tanten

Die Tante väterlicher Seite, Aya Biran-Nirko, will inzwischen den Sechsjährigen persönlich wieder zurück nach Italien bringen. Sie werde sich an einer am kommenden Donnerstag (23. September) geplanten Gerichtsverhandlung vor einem Familiengericht in Tel Aviv beteiligen, bei der über Eitans Zukunft beraten wird.

Die Tante forderte laut italienischen Medien bei der Staatsanwaltschaft von Tel Aviv, nach dem Haager Entführungsübereinkommen von 1980 das Kind zurückzuerhalten, für das sie von den italienischen Justizbehörden das Fürsorgerecht zugesprochen bekommen hatte. Das in Italien geborene Kind war vom Großvater mütterlicherseits nach Israel gebracht worden. Die Tante verlangte, von der israelischen Justiz befragt zu werden. Sie will bei der Gerichtsverhandlung am Donnerstag anwesend sein, berichteten Medien.

Aya Biran-Nirko war am Sonntag nach Tel Aviv geflogen, wie ihr Ehemann gegenüber Journalisten sagte. Ein Sprecher der Familie erläuterte, dass die Frau von Diplomaten begleitet worden sei und zunächst in Corona-Quarantäne müsse. Das Ziel sei, Eitan "auf friedlichem Weg" und so schnell wie möglich nach Hause zu bringen, hieß es dazu.

Ermittlungen gegen Großeltern wegen Kindesentführung

Die italienische Justiz hatte Untersuchungen gegen die Großeltern des Sechsjährigen aufgenommen, nachdem der Bub Anfang September von der Familie mütterlicherseits von Italien nach Israel gebracht worden war. Der Vorwurf lautet auf Kindesentführung.

Der Bub hatte beim Absturz einer Seilbahn-Gondel am 23. Mai seine Eltern und seinen Bruder verloren. Insgesamt kamen bei dem Unfall im Piemont 14 Menschen ums Leben. Ein Gericht ernannte daraufhin die in Pavia in der Region Lombardei lebende Schwester des Vaters zum Vormund. Der Familienstreit um das Kind sorgt in Italien für großes mediales Interesse.

Aya Biran-Nirko behauptet, das Kind sei vom Großvater einer "Gehirnwäsche" unterzogen worden. Der Großvater bestritt in TV-Interviews, dass er das Kind entführt hatte, weil er das Geld kassieren wolle, das der Bub als Entschädigung infolge des Seilbahnunglücks erhalten soll. (APA)


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