Ende der Tiki-Taka-Ära bei Barcelona als Chance für Demir und Co.

Der FC Barcelona hinkt aktuell den eigenen Ansprüchen hinterher. Der Traditionsclub musste auch aus finanziellen Gründen einen sportlichen Umbruch einleiten. Einer der Profiteure könnte ÖFB-Youngster Yusuf Demir sein, der am Montag sein Startelf-Debüt bei den Katalanen feierte.

  • Artikel
  • Diskussion
Erstmals seit über 40 Jahren stand in Yusuf Demir ein ÖFB-Kicker beim 1:1 des FC Barcelona gegen Granada in der Startelf.
© GEPA pictures/ ZUMA Press/ NurPhoto/ Joan Valls

Barcelona – Für den FC Barcelona gleicht das Jahr eins nach Lionel Messi bisher einer Selbstfindungsphase. Nach dem hart erkämpften 1:1-Heimremis gegen Granada stellte Trainer Ronald Koeman am Montagabend einmal mehr klar, dass das "alte" Barca Geschichte sei. Das berühmte "Tiki-Taka", also Kurzpassspiel mit langen Ballstafetten, sei aktuell nicht möglich, bekräftigte der Niederländer. Einer, der von der Verjüngungskur bei den Katalanen profitieren soll, ist Yusuf Demir.

Der Wiener stand erstmals in einem Pflichtspiel in der Startelf von Barcelona - als erster Österreicher seit Hans Krankl vor über 40 Jahren (Oktober 1980). Der im Dreier-Angriff auf dem rechten Flügel aufgebotene 18-Jährige war bemüht, konnte das Offensivspiel der Heimischen aber ebenfalls nicht wirklich beleben. Barcelona liegt nach dem Unentschieden mit acht Zählern nach vier Runden derzeit auf dem siebenten Tabellenrang - bei einem Spiel weniger als die Top-Fünf.

Nur 27.000 Fans im Camp Nou

Auf den Rängen machte sich der durchwachsene Saisonstart bemerkbar. Von den 40.000 zugelassenen Plätzen im Camp Nou waren nur 27.000 vergeben. Die Fans sahen Granadas Führungstor nach 85 Sekunden und lange vergeblich nachlaufende Blaurote. Der aufgerückte Innenverteidiger Ronald Araujo traf erst in der 90. Minute. Da war Demir nach seinem Austausch in der 75. Minute nicht mehr als Feld. Die spanische Presse attestierte der Rapid-Leihgabe großes Bemühen, aber wenig Durchschlagskraft. "Der junge Österreicher zeigte viel Willen, blieb aber ohne Erfolg in den meisten Aktionen", schrieb die Sportzeitung Mundo Deportivo. Die Marca meinte: "Willensstark, aber nicht sehr effektiv. Er hatte wenig Einfluss auf das Spiel."

Koeman hatte auch angesichts einiger verletzter Spieler eine junge Elf aufgeboten. Das Durchschnittsalter lag bei 24,3 Jahren, die ohne den zunächst geschonten Gerard Pique eingelaufene Abwehrkette war im Schnitt 20 Jahre alt. Er habe die Spielidee anpassen müssen, betonte Barcelonas Trainer nach dem Spiel. "Wenn man sich die Spielerliste für das Spiel ansieht, bleibt nur das über. Wir können nicht 'Tiki-Taka' spielen, wenn wir keine Räume vorfinden", sagte Koeman. "Wir wissen, dass das vielleicht nicht Barcelona-Fußball ist, aber dieses Barcelona ist nicht mehr jenes wie vor acht Jahren."

Medien spekulieren mit Koeman-Rauswurf

Der ehemalige Profi der Katalanen steht spätestens nach der 0:3-Heimniederlage zum Auftakt der Champions League gegen Bayern München unter ganz besonderer Beobachtung. Medien spekulieren über seine Zukunft als Barca-Coach. Ein Rauswurf soll dem von großen finanziellen Sorgen geplagten Club jedoch in Summe mehr als 10 Millionen Euro kosten, hieß es.

Er wolle sich über seinen Job nicht mehr äußern, stellte Koeman am Montagabend fest. "Wir wollen natürlich zu Hause gewinnen, aber wie ich erklärt habe, war es ein kompliziertes Spiel. Ich denke, wir haben alles gegeben." Für Barcelona geht es am Donnerstag auswärts gegen Cadiz weiter. Tabellenführer Real Madrid spielt am Mittwoch zu Hause gegen Mallorca, der derzeit zweitplatzierte Meister Atletico am Dienstagabend bei Getafe. (APA, dpa)


Kommentieren


Schlagworte