Mangelernährung für zwei Drittel der Kleinkinder weiterhin Realität

Eine Auswertung aktueller Daten aus 91 Ländern ergab, dass die Hälfte der Kinder zwischen sechs und 23 Monaten die empfohlene Mindestanzahl an Mahlzeiten pro Tag erhält. Nur ein Drittel der Kinder erhält die für eine gesunde Entwicklung nötige Nahrung.

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© REUTERS/Adnan Abidi

New York – Die Mangelernährung von Kleinkindern bleibt laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef ein Dauerproblem ohne Lösung: Eine Auswertung aktueller Daten aus 91 Ländern ergab, dass die Hälfte der Kinder zwischen sechs und 23 Monaten die empfohlene Mindestanzahl an Mahlzeiten pro Tag erhält. Und nur ein Drittel der Kinder erhält die für eine gesunde Entwicklung nötige Nahrung. Eine weitere Analyse von Daten aus 50 Ländern zeigt eine seit nun zehn Jahren unverändert prekäre Situation.

Unicef warnt in dem am Mittwoch veröffentlichen Bericht vor schwerwiegenden Folgen für die weitere Entwicklung dieser mangelernährten Kinder. Der Report wurde im Vorfeld des UN-Gipfels zu Ernährungssystemen veröffentlicht, laut diesem sorgen wachsende Armut, soziale Ungleichheit, Konflikte, klimabedingte Katastrophen und Gesundheitskrisen sowie die Covid-19-Pandemie für die anhaltende Ernährungskrise der Kleinkinder.

Erste Lebensjahre für Zukunftschancen ausschlaggebend

"Gerade in den ersten beiden Lebensjahren kann eine schlechte Ernährung die physische und geistige Entwicklung der Kinder nachhaltig beeinträchtigen und sich auf ihre Bildung, Berufsaussichten und Zukunftschancen auswirken", sagte Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore zum Schicksal Millionen junger Menschen, deren Gehirn sich infolge nicht gut entwickeln kann. Die seit Jahren bekannte Situation drohe sich aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen weiter zu verschlimmern.

Eine Haushaltsbefragung in Jakarta (Indonesien) ergab beispielsweise, dass die Hälfte der befragten Familien inzwischen weniger nahrhafte Lebensmittel einkaufen konnte. Infolgedessen sank der Anteil der ausgewogen ernährten Kinder im vergangenen Jahr um ein Drittel im Vergleich zu 2018. Neben den möglichen negativen Langzeitfolgen wird zudem auch das Immunsystem der Kinder geschwächt, wodurch sich das Risiko für Infektionskrankheiten erhöht, die sogar zum Tod führen können.

UNICEF fordert Anreize für Produktion, Verteilung und Handel

Dem Bericht zufolge ist das Risiko, dass Kleinkinder, die in ländlichen Gebieten oder in ärmeren Haushalten leben, schlechter ernährt werden, deutlich höher als bei Kindern in städtischen Gebieten oder aus wohlhabenderen Haushalten. Beispielsweise war 2020 der Anteil der Kinder, die ein Minimum der empfohlenen Nahrung erhielten, in städtischen Gebieten doppelt so hoch (39 Prozent) wie in ländlichen Gebieten (23 Prozent).

Unicef fordert eine bessere Verfügbarkeit von nahrhaften Lebensmitteln - einschließlich Obst, Gemüse, Eiern, Fisch und angereicherten Lebensmitteln -, indem die Anreize für Produktion, Verteilung und den Einzelhandel verbessert werden. Nationale Gesetze zum Schutz von Kleinkindern vor ungesunden Lebensmitteln und Getränken und ein Ende von Marketingpraktiken, die auf Kinder und Familien abzielen, wie auch eine bessere Informationspolitik für Kinder und Eltern seien notwendig. Besonders schlecht ist der Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung im östlichen und südlichen Afrika (24 Prozent), in West- und Zentralafrika (21 Prozent) und in Südasien (19 Prozent), wo sich weniger als eines von vier Kleinkindern ausgewogen ernähren kann. (APA)


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